Kurz nach Kündigung meines letzten Jobs war ich verzweifelt. Ich hatte mir das alles viel leichter vorgestellt. Die irrationale Vorstellung, dass mir zukünftig die Kunden einfach zufliegen würden wie die Brathähnchen im Schlaraffenland, war ein Irrtum.

Also fing ich an, nach anderen Wegen zu suchen, um Geld zu verdienen. Die Miete musste ja irgendwie bezahlt werden. Ich erwischte mich häufiger dabei, wie ich nach Begriffen wie „Geld verdienen im Internet“ googelte. Dass dabei nur Müll und Bauernfängerei zum Vorschein kam, muss ich dir sicher nicht erst sagen.

Trotzdem gibt es auch Abseits der Bauernfängerei einige Freelance-Jobs, für die man recht schnell im Netz Kunden finden kann. Texter ist so ein Job. Als Texter findet man immer irgendwelche Aufträge.

Also fing ich an, Texte für Online-Marketer zu schreiben. Trotz meiner zwei Uni-Abschlüsse schrieb ich lieber sinnfreie SEO-Texte für 2 Cent das Wort, als zurück in den Job zu müssen. Damit kam ich nicht einmal auf 10 Euro die Stunde. Aber immerhin kam etwas herein.

Alles war für mich besser, als in meinen alten Job zurückzukehren. Also textete ich für einen Hungerlohn und nutzte die spärliche Zeit, die mir noch blieb, um eigene Projekte anzustoßen. Ein halbes Jahr hielt ich mich so halbwegs übers Wasser, bis ich langsam den Bogen raus hatte, und meine Preise deutlich anheben konnte (und wollte).

Das gab mir dann die Zeit und Erfahrung, auch in meinem Fachgebiet erfolgreicher zu akquirieren. Ein Jahr nach meiner Kündigung war ich bei einem Stundenlohn von 40 Euro.

Schluss mit unterirdischen Stundensätzen

Warum ich dir das erzähle? Weil ich es okay finde, eine kurze Zeit für einen Hungerlohn zu arbeiten. So kann man erst einmal langsam in die Selbstständigkeit hinein schnuppern, Prozesse verstehen, seinem Ziel der örtlichen Freiheit schon ein Stück näher kommen.

Jedoch ist höchste Vorsicht geboten, nicht auf dieser Niedriglohnstufe kleben zu bleiben.

Es gibt Digitale Nomaden, die offensichtlich der Meinung sind, dass ein geringer Verdienst das Los sei, dass man hinnehmen muss, wenn man die örtliche Freiheit als Digitaler Nomade genießen möchte. Dass würde natürlich so niemand zugeben, aber unterbewusst scheint das als Glaubenssatz bei vielen verankert zu sein. Anders kann ich mir nicht erklären, warum manch einer auch nach 1 bis 2 Jahren immer noch zu unterirdischen Stundensätzen arbeitet.

Anbei eine simple Rechenaufgabe, die vermutlich auch Pippi Langstrumpf hinbekommen hätte (Ich halte es simpel, weil ich ebenfalls ein Matheloser bin. Abi 4 minus):

Stell dir vor, du hast einen Stundensatz von 15,- Euro und schuftest trotz Ortsunabhängigkeit und Nomadenleben deine 40 Stunden in der Woche, um auf 2.400 Euro brutto zu kommen. Schliesslich müssen auch noch Steuern gezahlt werden, und am Ende bleibt da gar nicht so viel übrig, um all die Flüge und Co-Working Spaces zu bezahlen.

Nun stell dir einmal vor, du würdest deinen Stundensatz von 15 Euro auf auf 30 Euro erhöhen und 50 Prozent deiner Kunden würden abspringen, weil du ihnen zu teuer geworden bist. Um diese Kunden nun zu bedienen, reichen dir nach Adam Riese dann 20 Wochenstunden. Unterm Strich hättest du immer noch das gleiche Einkommen, aber mehr als 2 komplette Arbeitstage gewonnen, um andere Projekte voran zu bringen.

Zwei komplette Tage pro Woche, um dir eine passive Geldquelle aufzubauen. Das können Bücher, Produkte oder Kurse sein. Völlig egal, denn Möglichkeiten gibt es genug.

Trau dich, deine Preise zu erhöhen und stehe dazu! Nutze die gewonnene Zeit, um eigene Projekte anzugehen.

Natürlich muss man auch sehr gute Arbeit abliefern, wenn man höhere Preise verlangt. Aber ich gehe stark davon aus, dass du das tust. Mache dich bei deinem Kunden schwer ersetzbar. Zeig, was er oder sie an dir hat! Verlange, was du wirklich wert bist. Demonstriere Selbstbewusstsein gegenüber deinen Kunden!

Hier spielt uns unser Unterbewusstsein gern einen Streich und redet uns heimlich ein, dass wir gar kein Recht haben, so viel Geld für unsere Arbeit zu verlangen. Aber solche Glaubenssätze musst du ablegen. Sonst bleibst du auf einem Niedriglohn hängen und es passiert das Gegenteil von dem, warum du dieses ganze Freiheitsding eigentlich begonnen hast: Du bist um so mehr genau der Sklave, der du eigentlich nicht mehr sein wolltest.

Was sind deine Gedanken hierzu? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

6 Antworten zu “Warum du zu wenig verdienst und wie du es änderst”

  1. Guter Artikel mit Blick auf eigene Erfahrungen. Danke =)
    Finde auch, dass der Stundenlohn falsch eingeschätzt wird. Egal mit was man es rechtfertigt: größerer Mehrwert, mehr Erfahrung oder einen psychologischen Marketing Trick durch einen hohen (aber somit auch anscheinend qualitativeren) Stundensatz. Jetzt muss man nur noch die passenden Jobs finden.

    Alex

  2. Also 15 Euro Stundenlohn sind in einigen Ländern schon sehr viel Geld. Vielleicht verdient man ortsunabhängig weniger als im alten Job, jedoch kann man viel mehr von
    diesem Geld kaufen/erleben. Das wäre ja schon ein toller Pluspunkt vom ortsunabhängigen Arbeiten, ohne dass man mehr Geld verdient.
    Natürlich kann man immer seine Preise anheben, allerdings muss man dabei auch immer realistisch bleiben. Eine Verdoppelung der Preise scheint mir wenig realistisch, ohne dass man irgendwie exzellente oder einzigartige Arbeit abliefert.

  3. Hallo Tim! Toller Artikel! Ich war in meinem alten Job in der Gastronomie auch unzufrieden, vor allem mit dem Stundenlohn. Habe nach langem überlegen irgendwann gekündig, mit 25 das Abi anzufangen und anschließend ein Studium begonnen – das neigt sich nun langsam auch dem Ende. Aber ich bin mir mittlerweile mit jedem Tag sicherer, dass ich nicht in eine Anstellung zurück möchte. Ganz im Gegenteil, die Pläne für die Selbstständigkeit reifen langsam… Ich bin vor einer Weile auf deinen Blog gestoßen und habe auch zwei deiner Bücher gelesen. Ich möchte dir einfach mal Dank & Lob aussprechen – dafür, dass du deine Erfahrungen teilst! Lg Nina

  4. Hallo Tim! Toller Artikel! Ich war in meinem alten Job in der Gastronomie auch unzufrieden, vor allem mit dem Stundenlohn. Habe nach langem überlegen irgendwann gekündigt, mit 25 das Abi anzufangen und anschließend ein Studium begonnen – das neigt sich nun langsam auch dem Ende. Aber ich bin mir mittlerweile mit jedem Tag sicherer, dass ich nicht in eine Anstellung zurück möchte. Ganz im Gegenteil, die Pläne für die Selbstständigkeit reifen langsam… Ich bin vor einer Weile auf deinen Blog gestoßen und habe auch zwei deiner Bücher gelesen. Ich möchte dir einfach mal Dank & Lob aussprechen – dafür, dass du deine Erfahrungen teilst! Lg Nina

  5. Hi Tim,

    ich finde letztendlich ist es der Wert den man abliefert. Wenn der Wert für die Menschen hoch ist, werden sie einem auch mehr bezahlen.
    Aber schön zu sehen, dass jeder mal klein anfängt 🙂

    Grüße
    Dario

  6. Hallo Tim,
    toller Einblick, wie es dir gegangen ist. Danke fürs Hosen runter lassen! 😉
    Mich wundert nur, dass du die 40-Stunden-Milchmädchen-Rechnung machst. Denn 40 Stunden arbeiten heißt nicht, dass du auch wirklich 40 Stunden bezahlt bekommst. Mindestens 10 Stunden gehen für Email, Korrekturen, Akquise, Webseiten-Pflege, Buchhaltung oder sich von Earth City ablenken lassen drauf. Aus meiner Erfahrung eher mehr.
    Da bleiben dann von 2400 erhofften Euros nur enttäuschende 1800. Wenn überhaupt…
    Lass uns die Welt verändern!
    Matthias

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