Einige gute Gründe, in Spanien zu überwintern (und gute Gründe, es nicht zu tun)

In Berlin verabschiedet sich die Sonne meist Ende Oktober und ward danach bis März nicht mehr gesehen.

Die Stadt versinkt in Winterschlaf. Schneematsch und dunkle Wolken verbreiten in der gesamten Stadt miese Stimmung.

Eine Stimmung,  die auch die freundliche Kassiererin bei Penny nicht verbessern kann – obwohl sie dich anschaut, als hättest du deine Mutter umgebracht, nur weil du mit einem 50 Euro Schein bezahlen möchtest.

Zeit also, abzuhauen. Wer kann, ist weg. Besonders digitale Nomaden verlassen die Stadt fluchtartig und kommen erst Anfang März wieder zurück.

Aber wohin wandern die Nomaden im Winter?

Die meisten zieht es auf andere Kontinente – nach Südostasien, Südamerika oder Südafrika. Nur wenige suchen sich ein Winterquartier in Europa.

Kein Wunder. Es gibt nicht viele Orte innerhalb Europas, die im Winter mit warmen Temperaturen aufwarten können. So richtig warm ist es eigentlich nirgendwo. Selbst in Spanien sinken die Temperaturen meist unter 15 Grad. Für T-Shirt und Shorts sicher ungünstig.

Die Kanarischen Inseln sind hier die Ausnahme: Sie gehören geografisch zwar bereits zu Afrika, sind aber ein Teil Spaniens und somit auch der EU. Hier ist es selbst zu Weihnachten meist noch schön warm. 25 Grad und blauer Himmel sind hier eher die Regel als die Ausnahme.

Wäre es also nicht eine gute Lösung, dort über den Winter auf Besserung zu warten?

Eignet sich die Kanaren als Nomadenziel?

Ich habe Teneriffa im Dezember als Nomaden-Ziel getestet und einige Wochen dort verbracht. Es war schön, aber nicht herausragend. Anders ausgedrückt: Kann man machen, muss man aber nicht.

Im folgenden findest du meine ‘Pros’ und ‘Cons’ und eine klare Ansage, für wen die Insel geeignet ist, und für wen nicht.

5 Gründe, auf Teneriffa zu überwintern

Nr.1: Teneriffa ist eine gute Destination für sportliche Nomaden. Wenn du Lust hast, nach der Arbeit mit deinem Fahrrad durch die (zugegebenermaßen sehr steilen) Berge zu fahren oder am Strand surfen zu gehen, dann ist die Insel echt gut für dich geeignet.

Nr. 2: Die Insel hat beeindruckende Landschaften zu bieten, um neben der Arbeit etwas zu unternehmen. Auf dem Gipfel des Teide Vulkans hat man einen sensationellen Blick über ein endlos erscheinendes Wolkenmeer. Die Umgebung dort oben erinnert an eine Mondlandschaft. Ein absolutes Muss.

Nr. 3: Die Internetverbindung und das W-Lan Angebot ist nicht überall gut, aber in der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife und in den größeren Touristenorten war das Netz immer erste Sahne. Auch Cafés gibt es (zum Beispiel in Santa Cruz) ausreichend, auch solche, die neben Espresso auch W-Lan im Angebot haben.

Nr. 4: Es ist warm. 25 Grad, leichter Wind. Keine Wolken. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Das Wetter ist top!

Nr. 5: Ein guter Grund, auf Teneriffa zu überwintern, ist die Hauptstadt der Insel. Santa Cruz de Tenerife ist eine tolle Stadt. Sie hat eine Universität und daher sind die Straßen voller Studenten. Die Stadt ist klein, aber sehr lebendig. Zudem ist die Hauptstadt im Norden längst nicht so touristisch, wie die Orte im Süden der Insel. Die Touristen bleiben lieber unter sich. Thumbs up für Santa Cruz.

5 Gründe, nicht auf Teneriffa zu überwintern

Nr. 1: Strand-Atmosphäre kommt auf Teneriffa nicht so richtig auf. Es gibt hier und da einige Strände, aber der Großteil der Insel hat eine Felsenküste. Wer von weißen Stränden mit Palmen träumt, der ist hier vollkommen falsch. Wer gern am Strand in der Sonne liegt, sollte lieber woanders den Winter verbringen, denn auf Teneriffa wird es wohl eher der Pool sein.

Nr. 2: So nah ist es gar nicht – Du fliegst 5 Stunden von Berlin. Vom Westen der Republik sind es nur 4 Stunden. Die Flüge nach Teneriffa sind auch nicht einmal besonders günstig. Da gibt es Ziele, die man ebenfalls in 6-7 Stunden Flugzeit erreichen kann, die spannender sind und eventuell sogar günstiger zu erreichen sind.

Nr. 3: Man spricht Deutsch. Was manch einer sicher gut findet, ist für manch anderen eher ein Minuspunkt. So zum Beispiel für mich. Teneriffa ist eine Urlaubsregion für Willi Müller aus Castrop Rauxel. Nix gegen Willi, aber mir geht er eher auf den Sack. Du siehst sie überall, die Touri-Herden. Es fängt schon damit an, dass im Flieger nach der Landung geklatscht wird. Das tut Aua. Es gibt sogar einen deutschen Radiosender. Wenn du spanisch hören möchtest, solltest du im Norden der Insel bleiben, der Süden gehört den Pauschal-Touristen.

Nr. 4: Teneriffa ist zudem eine Überwinterungsregion für Rentner. Ist ja auch nix gegen zu sagen, aber stelle dich darauf ein, in manchen Ecken der Insel wenig junge Leute zu sehen. Während man sich in anderen Ecken der Welt mit Mitte 30 unheimlich alt vorkommt, fühlt man sich auf Teneriffa unglaublich jung.

Nr. 5: Entrepreneur-Spirit? Nada. Ich habe zumindest nix davon mitbekommen. Kein Coworking. Keine anderen Nomaden. In den Cafés der Insel saß ich mit meinem Laptop immer ziemlich allein. Die Urlauber haben mich vielmehr voller Mitleid angesehen und sich sicher gedacht, dass ich kein Leben hätte. In der Insel-Hauptstadt Santa Cruz geht das schon etwas besser. Aber auf der gesamten Insel boxt nicht gerade der Bär in Sachen Business.

Fazit: Die kanarischen Inseln sind sicher eine tolle Urlaubsregion für aktive Urlauber, die dem Winter für 1 oder 2 Wochen entkommen möchten. Insgesamt hat die Insel mir gut gefallen. Sobald man aus den Touristenorten herauskommt, bietet die Insel tolle Landschaften. Auch Santa Cruz de Tenerife ist toll.

Willst du 1 Woche im Winter surfen gehen? Flieg hin! Willst du den Vulkan besteigen? Flieg hin! Willst du auf Teneriffa überwintern und an deinem Business arbeiten? Lass es bleiben. Da gibt es bessere Ecken für dich. Teneriffa ist eine Urlaubsinsel, nicht mehr und nicht weniger. Ist ja auch okay. Man muss nur wissen, wofür man hinfliegt.

Wie steht es mit den Balearen, z.B. Mallorca?

Mallorca hat den Nachteil, dass es in den Wintermonaten nicht so warm ist. Zwar sind die Temperaturen noch deutlich besser, als es in Deutschland der Fall ist. Mit den Kanaren kann Mallorca temperaturtechnisch aber nicht mithalten.

Die Insel hat jedoch auch einige ganz klare Vorteile: Hier ist mehr los! Das Freizeitangebot ist etwas breiter gefechert. Insgesamt bietet die Insel einfach mehr Abwechslung. Die Hauptstadt Palma ist recht groß, es gibt viele Dinge, die man hier auch im Winter unternehmen kann. Wärmer als zuhause ist es hier allemal. Wer also mit 15 Grad leben kann, für den ist auch Mallorca (oder Ibiza) eine ernstzunehmende Winter-Alternative.

Wer einen längeren Aufenthalt oder auch einfach nur Urlaub auf Mallorca in einer Ferienwohnung verbringen möchte, der findet auf der Insel zudem eine riesige Auswahl.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

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5 Comments

  1. Georg (4 comments):

    Ach Tim, hättste mal mich vorher gefragt :)

    Strand-Atmosphäre kommt auf Teneriffa nicht so richtig auf.

    Das stimmt für die Hauptstadt Santa Cruz, aber nicht für den Süden.

    Die Flüge nach Teneriffa sind auch nicht einmal besonders günstig.

    Auf Condor sehe ich gerade was für 99 EUR von Berlin, kommenden Sonntag. Ryanair bietet aus Köln 64 EUR für den 25.1. Gibts irgendein anderes Ziel mit 20° im Januar, das man mit dem Preis aus Deutschland erreichen kann?

    Man spricht Deutsch.

    In Santa Cruz beim Einkaufen? Nope. Beim Barman im Cafe? Nix. Und Englisch können sie eher holprig. (Aber gut, ganz anders der Süden. Da war ich neulich in einem Subway, wo _nur_ Englisch gesprochen wurde.)

    stelle dich darauf ein, in manchen Ecken der Insel wenig junge Leute zu sehen.

    Ja, das mag für den Süden gelten, im Norden in der Studentenstadt La Laguna trifftst Du einen Haufen junger Leute, zB beim wöchentlichen Couchsurfing-Meeting (Login erforderlich).

    Entrepreneur-Spirit? Nada.

    Siehe Tenerife Tech&Biz, trifft sich einmal monatlich. Und wer gern im Coworking arbeitet, findet hier einen Platz für 65 EUR / Monat.

    Fehlt noch was? Ach ja, Unterkunft. Zimmer (Stichwort “piso compartido”) findet man haufenweise für um die 200-250 EUR / Monat, zB auf Milanuncios oder Easypiso. Aber man sollte zumindest Basis-Spanisch können, denn Deutsch kann da keiner. :-)

    Teneriffa (und Gran Canaria) sind m.Mn. nach die idealen “Einsteiger-Überwinderungs-Ziele”: Relativ nah, ziemlich günstig und noch EU / Euro, also wenig Umstellungs-Stess.

    • Tim (205 comments):

      Hallo Georg,
      Danke für deine Hinweise. Es kommt also, wie immer im Leben, auf die eignen Präferenzen an.
      Zu den Stränden: Ich finde, dass auch im Süden kein Strandfeeling aufkommt. Die Strände sind einfach nicht besonders schön. Auch im Süden nicht. Langweilig. Vermutlich Geschmackssache.
      Zu den Flügen: Jetzt mag es grad ein paar Schnäppchen geben.(Im Dezember musste ich 200 zahlen.) Aber man kann auch für 100 Euro in die Türkei, nach Israel, nach Marokko, oder noch weiter. Alles spannender, alles gleiche Flugzeit. Wohl wieder eine Geschmacksfrage.
      Zum Deutsch-Sprechen: Natürlich gibt es auch Ecken, wo man kein Deutsch hört. Aber im Süden, in den Touristenecken ist es nun einmal sehr verbreitet. Insgesamt musst du schon zugeben, das die Insel fest in deutscher Hand ist.
      Das man im Norden junge Leute sieht, stimmt. Das fand ich auch gut. Aber im Süden eben nicht.
      Der Tipp fürs Coworking ist super, den hätte ich in der Tat früher gebrauchen können. Danke dir dafür :-)
      Trotzdem hast du mir die Insel jetzt nicht schmackhafter machen können. Für Einsteiger, die es schön “wie zu Hause” haben wollen, nur wärmer: Super. Für Abenteurer, die was Neues erleben wollen, ist die Insel nix. Meine Meinung. :-)

      • Georg (4 comments):

        Ja, klar, man kommt für 100 EUR sicher auch ähnlich weit weg wie nach Israel oder Marokko, aber ich glaub nirgends hat es da im Januar 20 Grad. Also gerade der “faule Wetternomade” :) wird mit den Kanaren gut bedient.

        Was die Strände angeht, geh ich auch insoweit mit, dass es bessere Orte als Teneriffa gibt. Z.B. die anderen Kanaren-Inseln Fuerteventura und Gran Canaria.

        Für Einsteiger, die es schön “wie zu Hause” haben wollen, nur wärmer: Super. Für Abenteurer, die was Neues erleben wollen, ist die Insel nix.

        Jo, dem hab ich nix hinzuzufügen. :D

  2. Michèle (1 comments):

    Stellt sich die Frage….Wo würdest du denn überwintern?

    • Tim (205 comments):

      Hey Michele, ich würde mir Südostasien oder Südamerika aussuchen. Vietnam, Indonesien, Thailand, Mexiko, Argentinien. Wenn ich ‘in der Nähe’ bleiben müsste, würde ich es mit Marokko versuchen. Oder mit etwas kälteren Temperaturen leben und auf dem spanischen Festland bleiben.

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