Um ortsunabhängig leben zu können, benötigst du zu Beginn erst einmal keinen Schnickschnack wie Logos oder Rucksäcke, sondern ein finanzielles Polster, dass dir ein wenig Spielraum verschafft, neue Ideen in Ruhe anzugehen.

Manch einer hat beim Aufbau dieses Polsters vor allem die Einnahmen im Blick. Doch sollte eine gewissse Grundordnung in den eigenen Finanzen das Fundament des Vermögensaufbaus bilden, bevor man dann die Einnahmen verbessert.

Lange hatte ich keinen Schimmer von diesem Thema und habe von der Hand in den Mund gelebt. Als Angestellter kam jeden Monat etwas herein, und am Ende des Monats war das Konto wieder leer. Auch in den ersten Jahren als Selbstständiger ging es noch recht chaotisch zu. Selbst das Bilden von Rücklagen für die Umsatzsteuer fiel mir schwer.

Nach ein paar brenzligen Situationen und Gesprächen mit erfahrenen Freunden und Mentoren, hat es irgendwann bei mir „Klick“ gemacht und ich verstand, dass ich finanzielle Freiheit erst erreichen kann, wenn ich mein Finanzmanagement im Griff habe, also Ordnung und Übersicht bekomme und ein System entwickle.

Dabei ist es egal, wie viel Geld im Monat herein kommt. An einer gewissen Ordnung in den Finanzen kommt selbst der kreativste Chaot nicht vorbei, wenn er finanzielle Freiheit erlangen will. Es ist auch nie zu früh, damit zu beginnen.

Immer Rücklagen bilden

Ein finanzielles Sicherheitspolster ist nicht nur wichtig, um unerwartete Kosten oder Einkommenseinbrüche abzufangen. Es beruhigt auch, und macht den Kopf frei, um das eigene Business weiter voranzutreiben oder ohne ein schlechtes Gewissen auch einmal die Seele baumeln lassen zu können.

Selbst wenn deine Einnahmen noch so gering sind, Rücklagen müssen ausnahmslos immer drin sein. Daher ist es besser, pro Monat dafür keinen fixen Betrag, sondern einen Prozentsatz festzulegen, der sich an deinen Einnahmen orientiert.

Ein Monat, indem du nichts auf die Seite legst, sollte immer nur ein Ausnahmemonat sein. Rücklagen sind das Herzstück finanzieller Unabhängigkeit.

Immer die Übersicht behalten

Ich verschaffe mir mittlerweile einmal pro Quartal eine ausführliche Übersicht. Dabei erstelle ich eine Bilanz und schaue ich mir an, was hereinkommt (Einnahmen), was ich an laufenden Kosten habe (Ausgaben), was ich anderen schulde (Schulden) und was ich bereits an Rücklagen habe (Vermögen). Bei Letzterem kann man auch den Zeitwert von Wertgegenständen einrechnen.

Einnahmen: Alles, was laufend hereinkommt. Das kann ein Gehalt sein, oder regelmäßige Einnahmen durch den Verkauf eines Produktes.

Ausgaben: Alle laufenden Kosten. Das kann eine Büromiete sein, oder das Abo bei deinem Webhoster.

Vermögen: Dein Vermögen ist alles, was du aktuell besitzt. dazu gehören sowohl Vermögenswerte (Geld, Immobilien, etc.) als auch Konsumgüter (TV, teure Koffer, Golfschläger). Konsumgüter musst du aber nach ihrem aktuellen Verkaufswert berücksichtigen und nicht nach ihrem Neuwert.

Schulden: Alles, was du anderen Leuten schuldest. Das kann ein Kredit sein, private Schulden oder eine überzogene Kreditkarte.

Du rechnest dann die Ausgaben gegen die Einnahmen und die Schulden gegen dein Vermögen. So ermittelst du deinen Cashflow und dein aktuelles Nettovermögen.

Um die Übersicht zu behalten, macht es Sinn nicht nur eine gut gestaltete Excel-Liste zu nutzen, sondern auch deine Konten entsprechend zu ordnen und Töpfe für unterschiedliche Zwecke anzulegen.

Dass private Gelder und geschäftliche Gelder strikt getrennt werden sollten, muss ich dir sicher nicht sagen. Aber einen Rücklagentopf oder einen gesonderten Topf für etwaige Schulden-Rückzahlungen anzulegen, macht ebenfalls Sinn. Je übersichtlicher alles für dich ist, desto besser behältst du es im Griff.

Konsumgüter sind keine Vermögenswerte

Wer ortsunabhängig lebt und arbeitet, ist ja sowieso meist weniger an Besitz von Dingen interessiert und oft ein Freund des Minimalismus. Trotzdem macht es beim Vermögensaufbau Sinn, Dinge zu besitzen. Unterscheiden solltest du dabei aber immer ganz klar zwischen Vermögenswerten und Konsumgütern.

Vermögenswerte sorgen für einen permanenten Geldstrom in dein Portmonnaie. In Vermögenswerte investierst du vor allem, damit diese passives Einkommen für dich schaffen. Das können Immobilien in guter Lage sein, oder ein gekauftes Kunstwerk.

Konsumgüter können ebenfalls beim Kauf einen hohen Wert haben. Aber in der Regel sinkt ihr Wert über die Zeit. Ihr Anschaffungsgrund liegt im Konsum, also ihrer Benutzung, oder es ist Liebhaberei. Darunter fallen Autos, Fernseher, Kleidung und alles, was sich schnell abnutzt.

Wenn du besitzt, dann versuche, vor allem Vermögenswerte zu besitzen. Konsumgüter führen zudem oft in die Schuldenfalle. Wenn du Konsumgüter kaufst, dann bitte niemals „auf Pump“.

Schulden sind der Sargnagel für digitale Nomaden

Wenn finanzielle Freiheit eine Grundvorraussetzung für ein ortsungebundeneres Leben ist und Schulden die finanzielle Freiheit verhindern, dann sind Schulden der Sargnagel fürs ortsunabhängige Leben.

Es gibt zwei Arten von Menschen auf der Welt: Die einen machen Konsumschulden und werden nie finanziell unabhängig. Die anderen verdienen an den Schulden der anderen und werden immer reicher.

Ich rate dir, zumindest zum unteren Drittel der letzteren Gruppe zu gehören. Du musst ja nicht an den Schulden der anderen Reich werden, aber zumindest solltest du zu denjenigen gehören, die keine Schulden machen.

Der einzig sinnvolle Grund, Schulden zu machen, ist wenn es um den Kauf von Vermögenswerten geht und der Cashflow die Schulden-Rückzahlung dauerhaft deckt. Konsumschulden sind jedoch extrem gefährlich.

Wenn du Konsumschulden hast, dann zahle diese erst einmal ausnahmslos zurück, bevor du die weiteren Schritte gehst. Deine Rücklagen sollten zu 100% in die Schuldenbegleichung fließen.

Als Selbstständiger solltest du deine Steuern optimieren

Angestellte blicken häufig neidisch auf die steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten von Unternehmern und Selbstständigen. Ein Selbstständiger hat ganz andere Freiheiten als ein Arbeitnehmer. Du kannst z.B. einen neuen Computer in das Betriebsvermögen aufnehmen und als Betriebsausgabe verbuchen. Wenn dieser Computer mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt wird, gehört er zum Betriebsvermögen und wirkt steuermindernd.

Es gibt viele ähnliche Beispiele, Ausgaben steuerlich einzuordnen. Viele davon sind von Umsatz, Gewinn und Vermögen des Unternehmens abhängig. Zu beachten ist: Je nach Betriebsgröße gelten unterschiedliche Anforderungen an die Steuererklärung und verschiedene Steuerregeln.

Wenn du dich komplett vom deutschen Fiskus trennen möchtest, da du deinen Lebensmittelpunkt sowieso nicht mehr in Deutschland hast, dann gibt es weitere Möglichkeiten, wie z.B. eine Firmengründung im Ausland. Warum in Deutschland Steuern zahlen, wenn du sowieso nicht mehr dort lebst?

Kurz und knapp: Mache einen Plan (Excel-Sheet), optimiere regelmäßig und behalte die Übersicht über deine Finanzen. Dann klappt es auch mit der finanziellen Unabhängigkeit.

Ausführliche Infos hierzu und all den anderen Punkten findest du übrigens auch bei uns im Citizen Circle.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

9 Antworten zu “Ultimative Tipps für deine finanzielle Freiheit”

  1. Hallo Tim,

    Danke für die schöne Zusammenfassung. Ich finde den Artikel sehr wichtig, weil dieses Thema so wenig intuitiv ist und die Gefahr größerer Fehler somit besonders hoch ist. Besonders gefällt mir, was du über Rücklagen sagst: „Fang an, Rücklagen zu bilden, auch wenn du noch nicht viel Geld einnimmst.“ Das kann man wohl nicht genug betonen. Hier geht es nämlich nicht darum, ein paar Cent oder Euro zu sparen, sondern darum, eine Gewohnheit zu bilden (Rücklagen bilden) beziehungsweise eine andere Gewohnheit (keine Rücklagen bilden) NICHT zu bilden. Wer sich erst einmal angewöhnt hat, keine Rücklagen zu bilden, der wird das auch nicht tun wenn die Einnahmen steigen. Zu stark ist die Gewohnheit und zu einfach ist es, das Versäumnis zu rationalisieren.

    Viele Grüße,
    Jan

  2. Hey,
    finde auch das dieses Thema mit eins der wichtigsten im heutigen Leben ist. Egal ob privat oder beruflich. Kenne einige Selbstständige, welche große Einnahmen haben, aber auch extreme Ausgaben. Eigentlich schade drum.

    Ich selbst arbeite aktuell sehr am Puffer um mir irgendwann mal die Zeiten nehmen zu können z.B. ein halbes oder ganzes Jahr mein Ding zu probieren.

    Gruß,
    mafis

  3. Hey Tim,

    danke für deine Meinung zu dem Thema. 🙂

    Eins hab ich mir so ganz grundsätzlich vorgenommen: Keine Schulden machen. Wenn ich das Geld nicht habe, kaufe ich es nicht. Und auch nichts auf Raten mit Zinsen. Handy zum Vertrag mieten, ist ok. Neuer TV auf Raten nicht.

    Hat bisher ganz gut funktioniert, ich lebe momentan von sehr wenig Geld und das funktioniert auch ganz gut. Ich habe ja keine Schulden und keine großen Verpflichtungen und so kann ich die Zeit besser nutzen und muss keinem Geld hinterher rennen.

    Liebe Grüße,
    Ronja

    • Handy Vertrag ist immer eine Rechenaufgabe. Für was und wieviel nutze ich das Handy. Wie wir alle wissen ist prepaid oft sehr viel teurer als manche Verträge. Oder anders herum gesagt mit einem guten Vertrag, der genau das bietet was ich brauche (z.B. Datenvolumen oder Freiminuten) bin ich meistens billiger dran als mit prepaid.
      Ich benutze auch seit Jahren iphones weil ich nichts anderes mehr möchte und es einwandfrei funktioniert, jedoch brauch ich nicht immer das neueste bzw. wenn ich mal wieder eins kaufe, kann das gerne auch gebraucht sein.

  4. Hallo Tim

    Kann deinen Tipps vollkommen zustimmen. Auch für das „normale“ Leben sollte man so vorgehen. Viel zu viele warten von Monat zu Monat auf den nächsten Lohn und wenn eine unerwartete Rechnung reinkommt, bricht Chaos aus.
    Eine Rücklage zu bilden ist durchaus sinnvoll und lässt einen viel ruhiger einschlafen.
    Grüsse, Igor

  5. Tolle Tipps. Meine Freundin und ich reisen ebenfalls als Digitale Nomaden um die Welt. Momentan sind in Goa und genießen das Wetter. Ich habe auch 3 Jahre darauf hin gearbeitet und verdiene mein Geld jetzt mit Forextrading.
    Ich habe vor etwas mehr als 3 Jahren hier eine Ausbildung gemacht und dann begonnen zu traden. 3 Jahre hat es gedauert bis ich erfolgreich war und nun sind wir auf Reisen. Egal was man mit seinem digitalen Nomadenleben anfängt, Durchhaltevermögen ist das wichtigste.

    Lg aus Indien

    Jan

  6. Ullrich (Ulli)

    Servus!
    Ich habe neben meinem normalen Job so langsam etwas im Bereich Freelancing aufgebaut! Sowohl über Affiliate Marketing als auch über weitere Aufträge bekomme ich schon ein ganz nettes monatliches Gehalt rein! Mein langfristiges Ziel ist es ohnehin, digitaler Nomade zu werden…Finanziell könnte ich es mir vorstellen, dass es bereits nächstes Jahr klappen könnte! Aber je näher ich dem komme, umso unsicherer werde ich! Habe mal nen bisschen nach dem Thema Versicherungen gegoogelt, und so manche Seiten geben mir zu Denken: http://www.premag.de/digitale-nomaden-versicherung/ … wie ist eure Erfahrungen mit Versicherungen? Darf man das nicht zu leichtfertig nehmen und mehr als nur PKVs abschließen? Danke!

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