Wer digitaler Nomade ist – also einen nomadischen Lebensstil pflegt, dem werden in Deutschland gleich eine ganze Reihe von Knüppeln zwischen die Beine geworfen.

Einer dieser Knüppel ist das deutsche Meldegesetz. Dieses sieht ganz einfach nicht vor, dass Menschen häufig ihren Wohnort wechseln. Von einem mobilen Office will ich gar nicht erst anfangen. Wer schon einmal das eine oder andere Beamtengespräch über ortsunabhängiges Arbeiten geführt hat, weiß: Computer says no!

Zum Glück gibt es fantastische Dienstleister, wie zum Beispiel Dropscan. Wenn die Eltern oder die virtuelle Assistentin sich weigern, deine gesamte Post einzuscannen, springt Dropscan ein. Dort bekommst du eine Postfach-Adresse in Berlin, an welche du deine gesamte Post schicken lassen kannst. Diese wird dann für dich eingescannt und du kannst sie jederzeit online abrufen.

Ein ausführliches Podcast Interview mit dem Gründer von Dropscan findest du hier.

Als Meldeadresse taugt deine Dropscan-Adresse jedoch leider nicht, und hier beginnen dann auch schon die Probleme. Es wird erwartet, dass du an deiner Meldeadresse wohnhaft bist. In einem Scanner kann man nicht wohnen.

Dein Briefkasten braucht Aufmerksamkeit

Offizielle Post, wie zum Beispiel vom Amtsgericht oder vom Finanzamt, geht grundsätzlich an deine Meldeadresse. Da hilft auch kein Nachsendeauftrag, denn die Amtspost wird von Amts wegen nicht weitergeleitet. Wer einen netten Steuerberater hat, der zumindest die Post vom Finanzamt entgegennimmt, ist hier im Vorteil.

Fakt ist: Du musst laut Meldegesetz sicherstellen, dass am Briefkasten deiner Meldeadresse auch dein Name steht und dort regelmäßig jemand für dich nachschaut. Dieser jemand ist im Zweifel du selbst.

Besonders wichtig wird dies für deine Geschäftsadresse. Auch und vor allem hier muss sichergestellt sein, dass Amtspost dich zeitnah erreicht. Du bist verpflichtet, zu reagieren. Wenn nicht, kann das böse Konsequenzen haben.

Ein Problem tritt auf, wenn Firma Müller noch 2 Euro Fünfzig von Dir bekommt (und du dies vergessen hast) und Firma Müller deine aktuelle Adresse nicht hat. Firma Müller ist sauer und will die 2 Euro Fünfzig nun mit Hilfe eines Inkassobüros eintreiben. Das Inkassobüro ermittelt deine Meldeadresse über das Einwohnermeldeamt. Der Inkasso-Brief erreicht dich nicht. Schwuppdiwupps sind aus 2 Euro fünfzig schnell mal 250 Euro geworden. So oder so ähnlich kann es laufen.

Zudem sind Nachsendeaufträge mit Vorsicht zu genießen. Sich 100prozentig auf diesen zu verlassen ist nicht ratsam. Ich habe schon viele Nachsendeaufträge gestellt und immer wieder wurden Briefe nicht weitergeleitet.

Es gibt einfach keine ideale Lösung

Eine Meldeadresse ist in Deutschland zwar grundsätzlich nur Pflicht, solange man auch in Deutschland wohnhaft ist. Du kannst dich also z.B. vor einer Weltreise einfach abmelden und bekommst dann einen entsprechenden Stempel in deinen Personalausweis. „Keine Hauptwohnung in Deutschland„.

Wenn man sein Business in Deutschland betreibt (so wie vermutlich auch du), dann wird es aber schon bereits wieder schwierig. Hier muss definitiv eine Adresse her. Und in Deutschland ein Geschäft hat, bei dem wird davon ausgegangen und erwartet, dass er auch in Deutschland gemeldet ist oder zumindest Post empfangen kann.

Die Katze beißt sich hier gewaltig in den Schwanz. Quasi eine richtige Sadomaso-Katze.

Ein Blick nach Osten: Schlimmer geht immer

Westeuropäische Besucher rümpfen ein wenig die Nase, wenn sie für mehrere Monate nach Berlin kommen. Originalton: „What… I have to register my adress here? That is creepy!“

Langzeit-Besuchern aus östlicheren Ländern ist dieses Prinzip vertrauter. Vor allem in asiatischen Ländern sind sie weit verbreitet: Die umfassenden Melderegister. In China nennt man dieses Register „Hukou„. In Nordkorea heißt es „Hoju“ und in Vietnam „Ho Khau“.

Das Hukou wurde in China zu Maos Zeiten eingerichtet, um maximale Kontrolle über die Bevölkerung zu erlangen. In sogenannten „Hukou-Büchern“ wurde eingetragen, wo ein jeder Mensch geboren wurde.

Der Geburtsort war somit zwangsläufig als Wohnort festgelegt. Wer seine Heimatprovinz verlassen wollte, musste dies bei der Provinzregierung beantragen – und das wurde in den meisten Fällen abgelehnt.

Man war dazu verdammt, an seinen Geburtsort gefesselt zu sein.

In der Mao-Ära war die strenge Aufenthaltskontrolle der Menschen ein zentraler Bestandteil der Kontrolle über die Bevölkerung.

Im zugeordneten Wohnbezirk zu leben war Voraussetzung für absolut alles Lebensnotwendige. Essen und andere Konsumgüter bekam man nur in seinem Heimatort zugeteilt. Woanders gab es nix.

Auch wenn die Regeln stark gelockert wurden, das Grundgerüst des Hukou besteht in China bis heute. Zugang zu staatlichen Gesundheitsleistungen bekommt ein Chinese z.B. nur an seinem Heimatort. Auch arbeiten darf er/sie meist nur mit Genehmigung in einer anderen Stadt.

Ein großes Problem für die zahlreichen Wanderarbeiter in den Boom-Städten. Wenn sie sich z.B. ein Bein brechen, müssen sie zurück in die Heimatprovinz, um Hilfe zu bekommen. Auch ihre Kinder müssen sie in der alten Heimat zurücklassen, damit diese dort in die Schule gehen können.

Stell Dir einmal vor, die könntest nur in deinem Geburtsort deine Krankenversicherung in Anspruch nehmen oder zur Schule gehen? Byebye Nomadenleben.

Ein Beispiel: Im chinesischen Guangzhou leben weit über drei Millionen Menschen. Nur in etwa eine Millionen davon sind auch dort geboren. Alle anderen Bewohner sind durch das Hukou an ihren Geburtsort gebunden, und bekommen in Guangzhou deutlich weniger Leistungen vom Staat zugesprochen, was Gesundheit und Bildung angeht. Verrückt, oder?

Okay… ich möchte das Hukou nicht wirklich mit dem deutschen Meldewesen vergleichen. Ganz so schlimm ist es bei uns ja doch nicht (Achtung, leichte Ironie). Tatsache ist aber: Der deutsche Staat schnarcht mal wieder vor sich hin, während sich die gesellschaftliche Realität zur Zeit rasend schnell verändert.

Ganz offensichtlich herrscht in anderen Ländern ohne Meldewesen (USA, Großbritannien, Frankreich, Irland) auch keine totale Anarchie. Menschen können nach wie vor verklagt werden, gefunden werden, gezählt werden. Irgendwie scheint das alles zu gehen.

Wie könnte die Lösung aussehen?

Wäre eine E-Mail-Meldeadresse heutzutage nicht viel zeitgemäßer? Nennen wir sie einfach einmal „Maildeadresse“. Für offizielle Amtspost. Meinetwegen mit Pflicht, diese wöchentlich zu prüfen. Ob die sogenannte De-Mail so etwas einmal leisten könnte, weiß ich nicht. (Lobos tl;dr hierzu lautet jedenfalls De-Fail.)

Für all jene, die noch hinterm Mond leben oder aus irgendwelchen Gründen keinen Computer benutzen können, könnte man ja einen Postservice einrichten, der die Post, welche an die Melde-Emailadresse geht, ausdruckt und postalisch zustellt.

Nicht die Vorreiter und Innovatoren unter uns (z.B. die digitalen Nomaden) sollten hier die Dummen sein. Vielmehr sollte man einen Zugang zum Netz voraussetzen können oder die Schlafmützen ein wenig benachteiligen. Das Finanzamt macht das schließlich bereits schon lange. Steuerformulare sind heute online zu übermitteln. Postalisch werden diese nur noch in Ausnahmefällen erlaubt.

Zudem wandelt sich der Arbeitsmarkt zur Zeit enorm. Sichere Jobs gibt es nicht. Viele Menschen erkennen, dass die „sichere Festanstellung“ im Grunde ein schlechter Scherz ist, und man in Zukunft nur überlebt, wenn man eigenverantwortlich handelt. Dieser Prozess wird sich zweifelsohne immer weiter verstärken.

Zum Überlebensnotwendigen gehört ganz klar Mobilität. Das wird nicht von heute auf morgen Jeden betreffen, aber zumindest all jene, die oben auf der Welle mitsurfen möchten. Und diesen Menschen sollte man keine Stöcke zwischen die Beine schmeißen.

Der Staat zwingt mich als selbstständigen Unternehmer ohne Ortsbindung, eine Adresse anzugeben, obwohl ich eben jene physische Adresse nicht mehr zwingend benötigen würde. Mir fällt kein logischer Grund ein, warum dies noch nötig wäre. Kennst du vielleicht einen guten Grund? Ich bin mir sicher, ich kann ihn entkräften.

Dank Dienstleistern wie Dropscan erreicht mich nun ein Großteil meiner mittelwichtigen Post relativ zuverlässig. Aber eben nicht alles: Wie oft habe ich mich in meinem leben schon umgemeldet. Wie oft hat mich wichtige Post nicht erreicht. Trotz Scanservice und Nachsendeauftrag… Ich bin müde. Ich will eine Maileadresse. Die ist virtuell und bleibt für immer gleich. Wann kann ich so etwas bekommen, Mutti?

Die wichtigsten Tricks

…um trotz Meldepflicht halbwegs viel Freiheit zu genießen:

kennst du noch andere Dienstleister, die man empfehlen kann, um trotz mobilem Office Herr über den Briefverkehr zu werden? Lass es mich wissen, gerne nehme ich diese hier mit auf.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

38 Antworten zu “Nomadenfreundliches Deutschland: Die Meldeadresse”

  1. Ein Thema das mich seit längerem beschäftigt und worauf niemand so richtig eine Antwort weiß ist:

    Welche Konsequenzen hat eine Abmeldung aus Deutschland denn eigentlich?
    Weißt du etwas darüber?

    Gesetzlich ist man wohl verpflichtet, sich abzumelden, wenn man länger als 180(?) Tage unterwegs ist. Aber was sind die Konsequenzen? Für Banken, Versicherungen, Amtspost, etc.

    • Steffi

      Zumindest zur Bank kann ich etwas sagen. Neben der Einkommenssteuer gibt es ja noch die Kapitalertragssteuer. Wenn du als digitaler Nomade also ein Konto in Deutschland hast, benötigst du eine Meldeadresse. Hast du keine, so wirst du automatisch zum Steuerinländer (eine gut organisierte Bank setzt alles daran, dass es eine Meldeadresse gibt). Das heisst, du zahlst Kapitalertragssteuer (also Steuer auf Zinsen etc).
      Bei uns ist es so, dass Kunden, welche Steuerausländer werden wollen erst schriftlich bestätigen müssen, dass sie in Deutschland weder Wohnsitz, Nebenwohnsitz, noch gewöhnlichen Aufenthalt haben und weiterhin muss eine Meldebestätigung (da haben wir es wieder ;D) für die neue Adresse im Ausland abgegeben werden. Als Nomade hast du die ja nicht zwangsläufig.
      Tatsächlich hatten wir seit ich hier arbeite erst einmal den Fall, dass ein Kunde absolut keine Meldeadresse hat und das schon seit über 10 Jahren. Leider weiss ich nicht, was mit dem dann gemacht wurde. Ich versuche dies derzeit in Erfahrung zu bringen, aber der Kollege, welcher sich darum gekümmert hat, ist im Urlaub.
      Aber komplette Abmeldung, ohne sich irgendwo anzumelden, scheint in Deutschland immer problematisch zu sein.

      Ich frage mich nun auch, wenn ich mich aus Deutschland abmelde und keine gesetzl. Krankenversicherung mehr zahle….wie kann ich mich dann versichern? Reicht die Auslandskrankenversicherung?

  2. @Looking for Jonny:
    Das würde ich auch gern wissen. Ich habe mich im Juni 2011 ins Ausland abgemeldet, weil das die Krankenkasse für den Austritt so gefordert hat. Ich habe mich im August 2012 kurz zurückgemeldet, weil mein Reisepass voll war und ich für einen neuen Reisepass gemeldet sein musste. Ich habe mich dann gleich wieder abgemeldet um keine Probleme mit der Krankenversicherungspflicht in Deutschland zu bekommen. Ich hatte eine AKV bei der Hanse Merkur für max. 6 Wochen Deutschland pro Jahr. Die zuständige Fachkraft hat mich ganz böse angeschaut, als ob das Hin und Her meine Schuld wäre…

    Grundsätzlich wird wohl davon ausgegangen, dass ich mich in dem schäbigen Hostel in Quito, Ecuador aufhalte, dass ich zuletzt als „Wohnort im Ausland“ angeben musste. Ich denke auch nicht, dass es Sinn der Sache ist alle 2-3 Tage ein Adressupdate durchzuführen, wenn das überhaupt möglich ist. Man wird halt wie ein Expat geführt. Klar hätte ich lieber eine E-Mail-Meldeadresse angegeben aber andererseits erwarte ich auch keine Post aus Deutschland.

    • Nathalie

      Hallo Florian,
      mein Reisepass laeuft ab im Oktober und ich denke darueber nach genau das selbe zu tun. Hattest du keine problem dich wieder anzumelden und dann wieder abzumelden?

  3. Also ich bin bislang ohne Abmelden und mit Nachsendeaufträgen ganz gut gefahren. Auch Post vom Finanzamt wurde immer weitergeleitet. Zumindest auf Reisen < 1 Jahr ist das denk ich die einfachste Variante und man macht nicht unnötig die Pferde scheu.

    Ansonsten ist es denk ich am besten seine Meldeadresse zu vertrauenswürdigen Verwandten/Freunden zu verlegen und dort seinen Namen mit auf dem Klingelschild aufzuführen.

  4. Super Beitrag mit dem passenden Maß an Ironie. Ich habe mich vor einem Jahr endgültig abgemeldet und ewig nach zuverlässigen Informationen gesucht. Besonders als Gewerbetreibender oder Unternehmer wird es kompliziert, so wie du es ja hier beschrieben hast.

    Ich habe damals letztendlich gute Hinweise beim Raphaelswerk (für Auswanderer und Rückkehrer) in Berlin bekommen. Fazit: Abmeldung ist zwingend, wenn man sich für mehr als 180 Tage im Jahr im Ausland aufhält. Gewerbe muss dann abgemeldet werden (schade, da ich gerne weiterhin meine Steuern in D bezahlt hätte). Reisepass kann ich nun bei Botschaften weltweit beantragen und in D habe ich theoretisch keine Verpflichtungen und Ansprüche mehr. Für mich hat es weitaus mehr Vorteile als Nachteile, da ich in vielerlei Hinsicht Entscheidungsfreiheit habe (KV, Steuern, Rente …).

    @Tim die „Maildeadresse“ klingt nach einer netten Idee, jedoch wäre das weder meiner 70-jährigen Großmutter, noch Personen, die sich der Technik entsagen, gegenüber fair. Ich frage mich lediglich, warum immer noch zwischen Meldeadresse und Postanschrift unterschieden wird… und ja, ich habe mich in den letzten 2 Jahren in China ca. 20 Mal wegen Umzug und neuem Visum bei der Polizei registrieren müssen (was übrigens auch für Hunde gilt). Im Gegensatz dazu, hält es der deutsche Stadt noch relativ human 😉

    • Hi Sebastian. Vielen Dank für deinen Einblick. Sehr spannend, da du ja eher dauerhaft/langfristig ‚ausgewandert‘ bist. Zahlst du nun also Steuern in China? Ist dein Business irgendwo „registriert“?

      Zu deiner Großmutter: Sicherlich muss man hier eine Lösung für nicht-technikaffine Menschen finden. Da diese aber die Minderheit sind, sollte die Sonderlösung eher hier gefunden werden, und nicht am anderen Ende der Kette. Meine Meinung.

  5. Hi Tim, ich habe jetzt eine Limited in Hong Kong registriert, wo ich auch Unternehmensgewinne versteuere. Ich bin derzeit in China aber auch bei einem Unternehmen offiziell „angestellt“ und bezahle hier theoretisch meine Einkommenssteuer. Gerade habe ich zu dem Thema Abmeldung des Wohnsitzes und den damit einhergehenden Vor- und Nachteilen auch einen ausführlichen Beitrag geschrieben. http://wirelesslife.de/wohnsitz-aus-deutschland-abmelden-pros-und-cons/

    Zur Meldeadresse: der Anteil der Menschen, die nicht technik-affin sind, nimmt natürlich drastisch ab und langfristig sollte es dort auch digitale Lösungen geben. Dennoch würde ich meiner und anderen Großmütter zuliebe für eine zweigleisige Übergangslösung plädieren, anstatt das System komplett umzustellen.

  6. Hi Tim, ich kann dem heftig nickend zustimmen. Unser Wohnsitz ist seit November ein Womo, selbstständig bin ich auch. Allein schon diese Tatsache verursacht bei den Behörden Schnappatmung.
    Es ist ein bürokratischer Irrsinn, der sich nur mit halblegalen Tricks bewältigen lässt. Wir wohnen halt jetzt unter anderem bei unseren Kindern 😉

  7. Interessant, dass du ausgerechnet das Hukou-System erwähnst und mit dem Meldewesen vergleichst. Ich habe die Hukous immer eher mit dem Schweizer System des Heimatorts verglichen. Während das Hukou heute für die Personenfreizügigkeit im Land generell keine Rolle mehr spielt (auch ortsfremde können beispielsweise in Peking ein Auto oder eine Wohnung kaufen, wenn sie fünf Jahre in der Stadt gemeldet waren und Steuern bezahlt haben), sind andere Elemente meiner Meinung nach wichtiger. Zum Beispiel dürfen Menschen mit einem Land-Hukou Grund besitzen, während die Städter kein Boden erwerben können. Deswegen ändern auch viele Leute ihren Hukou nicht, wenn sie an einen anderen Ort ziehen. Ich habe jedoch den Eindruck, dass es der chinesischen Führung bewusst ist, dass das Hukou-System heute total veraltet ist und ich rechne damit, dass es bis in zehn Jahren abgeschafft wird. Immerhin gibt es unter den chinesischen Sozialwissenschaftlern viele prominente Namen, die das fordern. (Nur so als kleine Randbemerkung)

    • Hi Oli, vermutlich hast du recht – ich denke auch, dass die Tage des Hukou gezählt sind. Aber das Problem ist doch, dass die Abschaffung zu einer Zunahme der Landflucht führen würde, oder ist das nicht der Grund, warum es das System überhaupt noch gibt?

      • Zu einer verstärkten Verstädterung würde es wohl nicht führen, da faktisch die Personenfreizügigkeit innerhalb der Provinzen bereits jetzt gilt. Nur weil du ein Hukou von Henan hast, heisst das nicht, dass du nicht in Peking leben und arbeiten kannst. Etwa 80 Prozent meiner Freunde in Peking haben kein Pekinger Hukou und eine ganze Reihe von ihnen arbeitet für die Stadtregierung oder auch angesehene Firmen. Heute stehen eher Fragen in Zentrum wie die Sozialversicherung und solche Dinge. Ein Landbewohner bekommt weniger Rente – aber braucht natürlich auch weniger.

        Wieso das System nicht abgeschafft wird, weiss ich nicht. Es gibt in China viele Stimmen, die das fordern. Aber ich vermute, dass das damit zusammenhängt, dass auch andere Bereiche von einer Abschaffung betroffen wären. Ich denke da beispielsweise an die Ein-Kind-Politik, die ja nicht für alle Chinesen gilt. Das Hukou gibt die Möglichkeit, gewisse Dinge nur einem Teil des Volks zu erlauben und auf diese Weise die Folgen einer neuen Politik zu „testen“.

  8. […] Die Meldeadresse nutzen Verwaltungsorgane wie das Finanzamt oder die Polizei, um dir behördliche und gerichtliche Briefe zuzustellen. Diese gelten als zugestellt, sobald sie bei der Meldeadresse eintreffen. Wenn du diese zu spät oder gar nicht erhältst, ist das dein Problem. Das kann bei Bußgeldern oder anderen Fristen teuer werden. Einen guten Artikel zum Thema Meldeadresse findest du auf auch auf earthcity.de. […]

  9. Was hält einen davon ab, an einem Haus entweder legal mit Einverständnis des Hauseigentümers oder eben auch mehr oder weniger illegal an einem Haus mit hohem Mieterwechsel (sozialer Brennpunkt) einen Briefkasten einzurichten und diese Adresse dann beim Bürgeramt als Erstwohnsitz anzumelden? Die verlangen hier zumindest nicht mal den Mietvertrag.

    Was hält einen des Weiteren davon ab sein Einkommen dadurch zu erwirtschaften das er an seinem Wohnort – idealerweise als Eigentümer oder mit Einverständnis – eine riesige Anzahl Briefkästen aufbaut und dann auch diese Adresse beim EMA als Erstwohnsitz angegeben wird. Vielleicht auch mit Digitalisierservice – Post annehmen, als PDF scannen, Papierausgabe vernichten. Das dürfte Bewegung in den Markt bringen und die m.E. absolut überzogenen Preise der heutigen Anbieter in realistische Regionen bringen.

    In Städten mit heißgelaufenen Wohnungsmarkt gibt es Obdachloseneinrichtungen, die diesen Service (leider derzeit nur Briefkasten/Meldeanschrift) sogar umsonst anbieten. Mit den dämlichen Vorurteilen sog. „Arbeit/Brotgeber“ gegenüber einer solchen Adresse muss natürlich jeder selbst zurecht kommen.

    • Gibt es das mittlerweile? Da wäre ich super interessiert dran. 🙂

      Ich ziehe beruflich oft um (Hotel, Projektwohnung, etc.) und würde gerne eine feste Adresse haben, optimalerweise ohne dafür eine Wohnung mieten zu müssen, die ich nur 2 Tage pro Jahr sehe …

      Hat da jemand Erfahrungen oder Ideen?

  10. Hallo,
    Welche Tips haben Sie für Aussteiger innerhalb Deutschlands, … auf dem geerbten Grundstück wo ich zukünftig leben werde kann ich mich (aufgrund Agrar/Wald/Industriefläche) nicht anmelden und würde das auch nicht wollen (zuviel System, Sozialversicherung, GEZ ect. … will das alles nicht mehr, auch keine Arge, … kann man hier noch unabhängig leben, welche staatlichen Sanktionen drohen mir wenn ich mich dem System verweigere, … man sagte mir ich müsse zumindest offiziell mittellos sein/werden, um unpfändbar zu sein, um nicht das Grundstück zu verlieren.
    Dann erst könne mir alles egal sein, was die sich da zusammen rechnen in ihren Ämtern …

  11. @Habich: Das klingt mir so, als wäre es für Dich ein guter Tip sich mal mit dem Thema Mensch vs. Person bzw. der Freeman-Bewegung zu beschäftigen. Ein interessanter Ausgangspunkt dafür sind die Videos von Joe Kreissl. Den findest Du als Freemanaustria z.b: auf youtube. Ich wünsche viele neue Erkenntnisse…

    • Tim Chimoy

      Hi Dennis, im Grunde ja, aber du musst dann auch deine Gewerbe abmelden. Das ist so ziemlich der einzige Nachteil. Da ich aber unter die freien Berufe falle, werde ich das vermutlich bald tun.

  12. Sehr interessanter Beitrag!

    Ich bin Frührentner und stand vor dem Problem. Bisher ist als Übergang die Anmeldung bei der Stadt „Ohne festen Wohnsitz“ als Lösung gemacht worden.
    Eine Abmeldung des Wohnsitzes bringt für Rentner Einbußen bis hin zum Verlust der Rente.
    Die Meldepflicht ist mit der Anmeldung OFW erfüllt. Post wird an Dropscan geleitet.
    Wird natürlich beim Amt nicht gern gemacht, da man freiwillig obdachlos sein möchte. Eine virtuelle Meldeadresse wäre ideal und würde sehr viel Unabhängigkeit bringen. Die DE Mail verlangt aber auch eine Adress Verifizierung.
    Hat sich noch etwas entwickelt?

  13. Michael Bain

    Anmeldung bei einer Freundin/Freund & elsewhere. Oder sucht auch Leute übers Netz, die Euch virtuell eine Adresse geben (gegen Cash) Fertig. Wo ist da das Problem. Ich war 15 Jahre nicht gemeldet. Ende. ENJOY

    • Chris

      Hi,
      Klingt ja spannend, wo findet man solche leute und was kostet es?

      Ich habe bei mir eigentl auch zu viel Platz und mir schon überlegt hier was anzubieten, sehe nur einige Probleme:
      Amtspostzustellung und Weiterleitung, was wenn dann „unangenehmer“ Besuch vor der Tür steht.
      Wieviele Freunde dürfen bei mir gemeldet sein / wohnen und Miete zahlen ohne dass dies eine gewerbliche Tätigkeit auslöst? Also diebgeündung einer WG – wie oft jemand da ist, wäre ja unerheblich (siehe Airbnb)
      Und dann natürlich der Vermieter.

  14. Torsten

    Ein anderes Problem der Abmeldung ist, dass in meinem Fall (meine Frau und ich leben in Thailand) unser Steuerberater darauf aufmerksam gemacht hat, dass das Finanzamt eine Bestätigung der thailändischen Steuerbehörden haben möchte, dass wir in Thailand keine Steuern bezahlen.

    Das ist insofern paradox, da wir in Thailand mit einem „Rentnervisum“ leben, was die Arbeitsaufnahme explizit verbietet. Da wir in Deutschland steuerpflichtig sind (Einkünfte aus Vermietung) besteht das Risiko, das das Finanzamt uns die Freibeträge streicht wenn wir nicht den Nachweis erbringen können, in Thailand keine Steuern zu zahlen.

  15. Super Artikel… Sehr gut geschrieben, sehr informativ… leider ist es echt nicht einfach in deutschland… meine freundin und ich wollen auch 11 monate ins ausland gehen (spanien) eine meldeadresse würden wir nicht haben, haben aber einen laden in deutschland den wir weiter betreiben. kann man seine meldeadresse auch dahin machen ? ich vermute nein, obwohl wir von da alle wichtige post ja erhalten würden durch unsere angestellten. geht sowas oder gibt es andere ideen ? 🙂

    beste grüße an alle weltenbummler 🙂

    Ronny und Jessika

  16. Tim, Deine Erfahrungen und Gedanken zu diesem Thema kann ich aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen.

    Ich wollte mich mit meiner Familie als „digitaler Nomade“ auf den Kanaren niederlassen. Wir haben uns in D abgemeldet, ein Schritt, den ich heute so nicht noch einmal machen würde. Aber aus Erfahrung wird man bekanntlich klug!

    Die Lösungen, die hier zum größten Teil besprochen wurden, sind eigentlich nur für Paare oder Singles durchzuführen. Familien mit Kindern haben keine Chance auf ein „ungebundenes“ Leben. Das fängt damit an, dass die Kinder in den meisten Ländern offiziell angemeldet werden müssen, um eine Schule besuchen zu können.

    Auf den Kanaren bekommst Du ohne Anmeldung kein Konto und keinen Telefon/DSL-Anschluss. Damit bist Du dann automatisch in den Mühlen der Bürokratie und die sind auf den Kanaren um Längen schlimmer als in D.

    Da haben es die meisten Rentner, die auf den Kanaren leben einfacher. Viele sind noch nicht einmal gemeldet. Einfach eine Wohnung oder ein Haus gemietet. Fertig! Alles andere läuft über D. Die Rente gibts aufs deutsche Konto, die deutsche Krankenkasse rechnet mehr oder weniger gut mit den Ärzten oder Krankenhäusern ab. Man braucht nur noch die Sonne genießen!

    Die Sache mit der Post war eigentlich das geringste Problem. Wir haben uns die ganze Zeitunsere Post entweder direkt auf die Insel schicken lassen (was leider mit langen Postlaufzeiten und Zollformalitäten verbunden ist) oder über die Firma BPM-Lux, die einen ähnlichen Service wie dropscan anbietet. Der Vorteil hier: Du hast eine Postadresse in Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Großbritannien und den USA. Bekommt man allerdings viel Post, kann es schnell teuer werden. Der Service ist aber toll und zuverlässig.

    Solltest Du eine Lösung für das „digitale Nomadenleben“ ohne Meldungszwang gefunden haben, die auch bezahlbar ist und für Familien geeignet, bin ich für jeden sachdienlichen Hinweis dankbar. Denn beim nächsten Versuch möchte ich es gerne schaffen, dauerhaft der deutschen Bürokratie zu entfliehen.

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