Schmeiß die Glotze aus dem Fenster! Oder: Was haben Gewohnheiten mit Erfolg zu tun?

Zu allererst: Bitte nimm die Überschrift nicht all zu wörtlich. Sonst könnte es mit der Freiheit ziemlich früh zu Ende sein. Lass die Kiste erstmal, wo sie ist.

Aber nun zur eigentlichen Frage: Was haben Gewohnheiten und Erfolg mit deinem Fernseher zu tun?

Damit der Titel ein wenig nachvollziehbarer wird, erzähle ich dir einfach einmal, wie es bei mir zur Verbannung der Glotze gekommen ist. Vielleicht findest du dich ja darin wieder.

Die unbewusste Formatierung einer Gewohnheit

Während ich noch als Angestellter in einem großen Unternehmen gearbeitet habe, kam ich abends häufig völlig ausgepowert nach Hause.

Ich wusste damals bereits, dass das Leben als Bürosklave überhaupt nicht mein Ding ist. Daher hatte ich mir immer wieder vorgenommen, mich abends mit Dingen zu beschäftigen, die mich der Selbstständigkeit näher brachten.

Es gab genug Wissen dazu aufzusaugen. Aber überwinden konnte ich mich abends selten.

Nach einem langen Tag im von Neonlicht durchfluteten Büro, forderte das Belohnungszentrum meines Gehirns eine Gegenleistung ein.

Mit anderen Worten: Mein Verstand wollte eine Pause machen und ich musste mich fügen. Freunde treffen. Rumhängen. Oder schlimmer: Glotze an! Klick! Hirn aus. Dauerberieselung.

So ging das eine ganze Weile. Bis folgendes geschah…

Von einem Tag auf den anderen blieb der Fernseher aus.

Ich entdeckte beim Surfen im Büro ein Thema, dass mich faszinierte. Ich las damals das erste Mal über digitale Nomaden und ortsunabhängiges Arbeiten.

Ich begann, jeden Abend neues Wissen darüber aufzusaugen, wie man ortsunabhängig Arbeiten kann. Egal, wie kaputt ich auch war.

Einen Fernseher habe ich seither nie wieder benutzt. Keine einzige Sekunde in den letzten 30 Monaten.

Wie kam es dazu, dass die Glotze mich plötzlich nicht mehr interessierte?

Ich surfte von meinem Bürorechner immer häufiger auf diversen Blogs zu den Themen Business-Gründung, ortsunabhängiges Arbeiten und Online-Marketing.

Mit jedem neuen Blog und jedem neuen Thema wuchs mein Interesse und ich buddelte mich immer weiter vor. Ich begann, meine eigenen WordPress-Seiten zu erstellen, über Marketing zu lernen, und viel zu schreiben.

Das Thema weckte so sehr meine Leidenschaft, dass ich bald auch zuhause nach der Arbeit meine Recherchen fortsetzte. Somit blieb die Glotze ganz automatisch aus.

Die Energie, die mir zuvor jahrelang gefehlt hatte: Nämlich nach der Arbeit noch etwas Sinnvolles mit meiner Zeit anzufangen, war auf einmal von ganz alleine da.

Das Aufsaugen von neuem Wissen fühlte sich an wie eine Sucht

Dieses “Suchtgefühl” nahm nach einigen Monaten wieder ein wenig ab. Das abendliche Lernen war zu diesem Zeitpunkt jedoch längst zu einer Gewohnheit geworden.

Eine Gewohnheit, die sich fest verankert hat. Wenn ich allein bin, beschäftige ich mich mit Dingen, die mich weiterbringen. Ganz automatisch.

Den Fernseher habe ich jedenfalls nach einigen Monaten verschenkt.

Was genau war passiert?

Das Fernsehen war eine Gewohnheit, die sich damals in meinen Kopf eingefräst hatte, so wie bei vielen anderen Menschen auch. Eine Gewohnheit, die ich ohne die richtige Taktik nicht ablegen konnte.

Ich habe dann jedoch diese Gewohnheit durch eine andere ersetzt. Und es war rückblickend eigentlich ganz leicht.

Gewohnheiten umprogrammieren

Um den Prozess genauer zu erklären, steigen wir kurz etwas tiefer in die “Wissenschaft der Gewohnheiten” ein.

Forscher auf dem Gebiet haben nämlich entdeckt, dass es tief in unserem Gehirn einen (sehr alten) Bereich gibt, in dem all unsere Gewohnheiten abgespeichert werden. Dieser Bereich nennt sich Basalganglien.

Die Gewohnheiten werden dort wie ein Computerprogramm gespeichert und können nur sehr schwer wieder gelöscht werden.

Unglaublich vieles in unserem Leben läuft automatisch ab, ohne dass wir hier bewusst Entscheidungen treffen müssen. Dies geschieht in eben jenen Basalganglien. Dort ist ein bestimmtes Verhaltensmuster einprogrammiert, welches dann einfach abgespult wird.

Das Kuppeln beim Autofahren ist ein anschauliches Beispiel für einen komplexen Vorgang, der vom Hirn auf diese Weise automatisiert wird.

Gewohnheiten haben dabei zwei wichtige Schlüsselreize: einen Auslöser, der sie in Gang setzt, sowie eine Belohnung, die im Anschluss auf uns wartet.

Für das Beispiel “Fernsehen” könnten die Schlüsselreize die folgenden sein (zumindest waren sie es bei mir):

Auslöser: die leere Wohnung betreten / freie Zeit

Belohnung: sich nicht allein fühlen / Beschäftigung

Die Forscher haben nun folgendes ermittelt: der beste Weg eine Gewohnheit abzulegen, ist es, ein bereits vorhandenes Programm in den Basalganglien einfach zu überschreiben. Auslöser und Schlüsselreiz bleiben weitestgehend identisch, aber die Handlung wird ausgetauscht.

Zurück zu meiner eigenen Erfahrung: Aufgrund der Leidenschaft, die ich für mein neues Interesse: ortsunabhängiges Arbeiten bzw. digitales Nomadentum aufbringen konnte, viel es mir relativ leicht, den Fernseher anfänglich links liegen zu lassen.

Hinzu kam, dass eine zusätzliche Belohnung lockte: ein selbstbestimmteres Leben.

Als meine Begeisterung dann ein wenig abnahm (was ja völlig normal ist) und der Fernseher eventuell wieder die Macht über mich hätte übernehmen können, war mein neues Verhaltensmuster längst in meinen Basalganglien verankert. Es war eine Gewohnheit entstanden.

Der Schlüsselreiz blieb dabei identisch: Die leere Wohnung und die freie Zeit. Die Belohnung war zudem nach wie vor, mich in der leeren Wohnung weniger allein zu fühlen. Hinzu kam aber noch die eben erwähnte, viel mächtigere Belohnung des selbstbestimmteren Lebens.

Ich habe damals völlig unbewusst eine alte Gewohnheit durch eine neue ersetzt. Auslöser und Belohnung blieben identisch. Leidenschaft für das Thema und die zusätzliche ‘Belohnung’ haben mir bei diesem Prozess aber geholfen.

Ohne das Umprogrammieren meiner Gewohnheit wäre ich sicher wieder in alte Muster zurückgefallen.

Nach einiger Zeit hatte sich das neue Gewohnheits-Programm fest verankert und läuft dort fröhlich bis heute ab.

Sobald ich nach Hause komme und allein bin, setze ich mich vor den Rechner oder schnappe mir ein Buch und lerne etwas Neues.

Das Umprogrammieren von Gewohnheiten hat im Rückblick tatsächlich mein Leben auf den Kopf gestellt – im positiven Sinne.

Damals habe ich den Prozess nicht so richtig durchschaut. Jetzt, wo ich den Prozess etwas besser verstehe, kann ich es kaum abwarten, weitere Programme in meinen Basalganglien zu überschreiben.

Wie siehts bei dir aus? Welche Gewohnheiten kannst du an dir identifizieren, die du gerne überschreiben möchtest?

Mit Leidenschaft und einer gute Belohnung kannst du jede schlechte Gewohnheit in eine nützliche umprogrammieren. Die Leidenschaft für ein Thema ist dabei letztendlich nur ein Werkzeug zur Umprogrammierung deiner Gewohnheiten, denn Leidenschaften können sich ändern. Entscheidend ist die Belohnung.

Willst du mehr über das Thema erfahren? Dann empfehle ich dir dieses Buch (welches ich kürzlich verschlungen habe): The Power of Habit. Wenn du kein ganzes Buch lesen möchtest, ist dieser Blogartikel auf Zeitzuleben.de ebenfalls sehr empfehlenswert.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

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13 Comments

  1. Stephan Wießler (1 comments):

    Hey Tim,

    schöner Artikel! Gewohnheiten machen alles aus! Unser Alltag wird maßgeblich davon bestimmt.

    Ich habe auch mal einen Artikel dazu geschrieben: http://www.stephanwiessler.de/gewohnheiten-aendern/

    Beste Grüße,

    Stephan

    • Tim (205 comments):

      Hey Stefan,

      Danke dir, auch für deinen Kommentar. Den Artikel werde ich mir gleich direkt mal durchlesen.

  2. PatrickG (1 comments):

    Interessanter Artikel. Ich sitze hier gerade mit meinem Kaffee, hab dazu direkt ne Kipppe anegmacht und fühl mich dank Deines Textes wie ein trainierter Zirkushund. ;)

  3. Özhan (4 comments):

    Hi Tim,

    toller Beitrag. Leider habe ich seit dem 13. Januar keine Newsletter von dir bekommen, die über deine neuesten Posts informiert. Wäre schade wenn ich die verpassen würde!

    Viele Grüße
    Özhan

    • Tim (205 comments):

      Hey Özhan,

      danke Dir. Ich hoffe, da ist nichts schief gelaufen. Hast du denn meinen heutigen Newsletter bekommen?

  4. Mischa (1 comments):

    Hey Tim,

    super Artikel. Habe vor nem halben Jahr auch die Bremse reingehaut und denTV- Konsum um 95 % reduziert. Und es fehlt wirklich nichts. Ganz im Gegenteil, Leben und Freizeit werden dadurch klar aufgewertet. Und endlich habe ich Zeit, über mein Leben nach dem Erwerbsleben nachzudenken :)

    • Tim (205 comments):

      Hey Mischa, Danke Dir! Freu mich, dass du ähnlich gute Erfahrungen gemacht hast. Weg mit den Kisten! ,)

  5. Marcus (5 comments):

    Guter Text, Tim!

    Neben dem TV mussten bei mir das Auto und viele langfristige Verträge und Versicherungen dran glauben.

  6. Janas Reisefieber (17 comments):

    Das Schlimmste an der Glotze ist, dass das Fernsehen so viel Zeit frisst. Oft hört man Ausreden wie “Ich würde ja gerne, aber ich habe keine Zeit für…”. Wenn man dagegen seinen Fernsehkonsum reduziert, hat man plötzlich so viel Zeit für Familie, Freunde, Hobbys oder den Weg in die Selbständigkeit. Gegen ein paar Minuten Fernsehen am Wochenende spricht nichts, aber es spricht viel dagegen, wenn die Glotze zur Ausrede wird und dein Leben bestimmt.

  7. JonasB (4 comments):

    Fernsehen ist wirklich ein gutes Beispiel. Ich habe auch früher fast täglich den Fernseher angemacht. Seit ich am Meer wohne komme ich gar nicht mehr auf die Idee, die Glotze anzumachen.

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