Jeder, der es nur hart und smart genug versucht, wird langfristig als Selbstständiger erfolgreich sein. Es mag ein paar Fehlschläge geben, aber der Erfolg stellt sich irgendwann ein, wenn man nicht einknickt und aufgibt.

Das Ganze ist keine Spazierfahrt. Selbstständigkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass man mehr Ruhe hat. Auch nicht unbedingt, dass man mehr Freizeit hat. Es ist für eine Weile ein ständiger Überlebenskampf.

fest steht aber, dass man sein Leben selbstbestimmter führen, sein Einkommen deutlich steigern, und wenn man dies möchte, ortsunabhängig als digitaler Nomade arbeiten kann.

Das Problem an der ganzen Sache ist oft Überbrückungszeit. Die Zeit, bis sich der finanzielle Erfolg endlich einstellt. Das können 5 Monate, 9 Monate oder, im schlimmsten Fall, 3 Jahre sein. Viele Menschen, die sich nicht trauen, fragen sich zurecht: „Wovon soll man in der Zeit nur leben?“

Kurzfristig ein Risiko eingehen, um langfristig Risiken zu vermeiden

Ich freue mich immer sehr darüber, wenn ich höre, dass Menschen den Mut fassen, sich selbstständig zu machen. Nicht, dass ich es grundsätzlich schlecht finde, wenn jemand angestellt ist. Wer glücklich und zufrieden ist mit seinem Job, gern morgens ins Büro geht und auch mit dem Gehalt im Einklang ist, der soll nichts daran ändern.

Nur weil man überall um sich herum die Glocken der Selbstständigkeit bimmeln hört, heißt es nicht, dass man diesem Trend wie ein Lemming folgen sollte. Tatsache ist aber, dass die Zahl der Selbstständigen stark steigt und es dafür auch Gründe gibt. Selbst in Deutschland, Land der Festangestellten, gibt es diesen Trend. Und „sicherer“ ist eine Festanstellung auch nur noch, wenn man kurzfristig denkt. Langfristig ist es sicherer, wenn man sein Leben selbst in die Hand nimmt.

Das Lieblingsargument vieler Menschen, die Festanstellung sei „sicher“, ist längst überholt. Den Job fürs Leben gibt es für unsere Generation nicht mehr. Hire and Fire setzt sich durch. Gehälter stagnieren. Angestellte werden durch Maschinen und Software ersetzt, sobald sie zu teuer für die Firma werden.

Sicher ist die Festanstellung kurzfristig. Nächsten Monat kommt der Gehaltscheck. In 3 Monaten auch. Aber was ist in 10 Jahren? Ist es nicht besser, bis dahin gelernt zu haben, auf eigenen Beinen überleben zu können? Ist das nicht langfristig sicherer?

Diese Lücke zwischen der kurzfristigen und langfristigen Sicherheit zu überbrücken, ist die wahre Schwierigkeit. Woher soll erst einmal das Geld kommen, bis die Selbstständigkeit gut läuft? Und was, wenn es einen zweiten oder gar dritten Anlauf benötigt, bis es klappt? Diese Brücke ist nicht leicht zu schlagen und sorgt dafür, dass viele in der Festanstellung verharren.

Für all jene, die trotz dieser finanziellen Lücke, die es zu überwinden gilt, den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, freue ich mich sehr und habe größten Respekt für diesen Mut. Sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand, sind mutig, entziehen sich dem Trend der Zeitarbeitsfirmen, Lohnkürzungen und längeren Arbeitszeiten, einfach, indem sie eigenverantwortlich ihr Geld verdienen und Abhängigkeiten beenden.

Zudem haben Selbstständige wesentlich bessere Chancen bei dem Umverteilungsspiel, welches unbestreitbar in unserer Gesellschaft im Gange ist, sich bessere Plätze in den vorderen Reihen zu sichern. Kurz gesagt: Sie haben im Vergleich zum Festangestellten bessere Chancen, ein Vermögen aufzubauen (Ein Vermögen kann spätestens dann nützlich werden, wenn unser Rentensystem zusammenbricht. Wir sprechen uns in 20 Jahren noch einmal).

Als Angestellter muss man sich schon sehr an die oberste Chefetagen-Spitze durchbeißen, um jemals nennenswert etwas zurücklegen zu können. Da ist der finanzielle Erfolg in der Selbstständigkeit prozentual wesentlich wahrscheinlicher. Wenn man es an die Spitze eines Unternehmens schafft, dann klappt das meist erst nach Jahrzehnten, und bis dahin ist es viel zu spät, vom Zinseszins-Effekt bei der Vermögensbildung zu profitieren. Unternehmer und Solopreneure kommen schneller zu höheren Einnahmen. Das ist einfach Fakt.

Neben dem finanziellen Aspekt und den immensen steuerlichen Vorteilen spricht aber noch eine Menge anderer Dinge für die Selbstständigkeit. Du kannst heute (Internet sei Dank) deine Selbstständigkeit so aufbauen, dass du nicht an einen festen Ort (oder ein festes Büro) gebunden bist. Du kannst im wahrsten Sinne des Wortes von überall arbeiten, so lange du eine Internetverbindung hast.

Immer mehr Menschen beweisen genau das und ich bin einer von ihnen. Was wie ein billiger Marketer-Trick klingt, ist längst zur Realität für Hunderttausende von digitalen Nomaden weltweit geworden. (Zum anderen kannst du ein Business-Thema wählen, dass dir Spaß macht und dir liegt. Aber das ist dann schon das Sahnehäubchen obendrauf.)

Vergiss einmal diese ganzen merkwürdigen Strandbilder mit Laptop, auf denen jemand im Liegestuhl liegt und sein Business steuert. Ich kenne niemanden, der so vernünftig arbeiten kann. Aber im Homeoffice, in Cafés, Coworking Spaces oder Hotels zu arbeiten, das ist längst Realität. Alltag.

Sogar einige wenige deutsche Firmen bieten ihren Mitarbeitern zunehmend diese Möglichkeit. (Ich würde jedoch nicht darauf warten, dass deine Firma dies auch tut. Das könnte noch 30 Jahre dauern.) Nie wieder lange Arbeitswege. Kein Auto mehr nötig. Krawatte kann auch in die Tonne.

Um die finanzielle Lücke zwischen der kurzfristigen Sicherheit der Festanstellung und der langfristigen Sicherheit der Selbstständigkeit zu überbrücken, gibt es kein Allheilmittel. Mann kann neben der Festanstellung beginnen, die ersten unternehmerischen Schritte in die Wege zu leiten. Mann kann etwas ansparen, um über die erste Zeit hinweg zu kommen.

Oder man kann ins kalte Wasser springen und aus der Not heraus alles tun, was nötig ist, um das Business ans Laufen zu bringen. Was am Ende aber wirklich hilft, um diese Lücke halbwegs zu überstehen und schnellstmöglich selbstständig erfolgreich zu sein, ist eine enge Gemeinschaft Gleichgesinnter, die sich unterstützt, Tipps und Tricks gibt, Ideen austauscht, Feedback gibt und füreinander da ist.

Diese Gemeinschaft bieten wir übrigens mit dem Citizen Circle.

Wir alle haben Angst vor der Lücke (oder sollte ich sagen vor dem Abgrund?), den es zu überwinden gilt, um von der Festanstellung in die erfolgreiche Selbstständigkeit zu wechseln. Ich habe mir damals während dieses Schrittes 1 Jahr lang sprichwörtlich in die Hose gemacht, mich von Nudelsuppen ernährt und meine 70qm Wohnung gegen das elterliche Gästezimmer getauscht. Aber danach wurde alles besser. Langsam. Aber es wurde besser. Viel besser. Das heißt nicht, dass es bei dir auch so sein muss, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es das wird.

In einer Gemeinschaft können wir gemeinsam wachsen und unser Wissen teilen. Das macht uns stark. Vor allem dieser letzte Punkt ist übrigens der Grund, warum wir Mitte dieses Jahres den Citizen Circle ins Leben gerufen haben. Eine Gemeinschaft von Menschen, die alle ihre ganz eigenen Antworten auf das „Warum haben“, die aber alle das selbe Ziel verfolgen: Ein nachhaltiges, ortsunabhängiges Business.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

3 Antworten zu “Die finanzielle Lücke überwinden”

  1. Hallo Tim,

    ich habe mich auch fürs kalte Wasser entschieden und wenn ich dann in diesen Abgrund schaue, den Du beschreibst, dann sehe ich nur hinein, ohne darin abzutauchen. Denn da unten warten so viele unangenehme Gefühle, die ich irgendwann mal gefühlt habe, aber nicht fühlen wollte, dass ich darin untergehen würde. So schaue ich nur, was es ist, das mir solche Angst macht, gucke wofür es gut ist und sortiere es neu ein in meine Sammlung an Lebenserfahrungen. So wird die Angst auch weniger und die Liebe zu mir selbst mehr.

    Herzliche Grüße,
    Daniela

  2. Ich habe mich ebenfalls für das kalte Wasser entschieden. Ich halte nichts davon, abzuwarten bis der richtige Zeitpunkt eintrifft, sondern eher davon abzuwägen, wann die Schadensbegrenzung am niedrigsten ausfallen würde. Wenn sie denn überhaupt eintrifft.

    Toller Beitrag!

    Liebe Grüsse,

    Doris

  3. Hallo Tim,

    ein sehr motivierender Beitrag 🙂 vielen Dank dafür!
    Ich bin nicht der „ins kalte Wasser Springer“, gehe das ganze etwas ruhiger an. Meine feste Anstellung macht mir derzeit noch Spaß. Für die Ewigkeit ist es allerdings nichts, das steht ja auch genau so in deinem Beitrag 😉

    Nebenher versuche ich mir einen Blog aufzubauen und mich zu positionieren, um irgendwann den großen Schritt zu wagen.

    Mein 16 jähriges Ich hat sich vor vielen vielen Jahren geschworen, noch vor dem 30. Lebensjahr um die Welt zu reisen. Das steht bis heute und fängt langsam an Gestalt anzunehmen. Ich arbeite darauf hin und Beiträge wie dieser motivieren ungemein! 🙂

    Viele Grüße,
    Rapha

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