Selbstreflexion und Einfühlungsvermögen – Zwei Fähigkeiten, die oft unterschätzt werden. Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen eigentlich und warum sind sie so wichtig?

Aus meiner persönlichen Erfahrung gehören sie zu den wichtigsten Dingen, die man als Unternehmer(in) in petto haben sollte. Lass uns in diesem Artikel beide Eigenschaften mal zusammen durchgehen.

Selbstreflexion

Sich selbst regelmäßig zu hinterfragen, die eigenen Talente und Schwächen zu erkennen, sich nichts in die Tasche zu lügen und auch das „innere Selbst“ mit dem Image abzugleichen, dass man nach außen darstellt. Bin ich wirklich „ich“ oder spiele ich eine Rolle?

Selbstreflexion bedeutet, dass man ehrlich zu sich selbst ist, damit man sich auf die eigenen Stärken konzentrieren kann und die eigenen Schwächen kennt und akzeptiert.

In manchen Fällen macht es Sinn, dass man seine Schwächen gezielt trainiert. In anderen Fällen ist es sinnvoller, sich auf die Stärken zu konzentrieren. Gerade als Unternehmer kann man die eigenen Schwächen mit Hilfe von Geschäftspartnern oder Mitarbeitern ausgleichen und sich mehr auf die Stärken fokussieren.

Wer Selbstreflexion beherrscht, ist zudem auch eher in der Lage, eigene Fehler einzugestehen. Besonders Mitarbeiter wissen es zu schätzen, wenn der Chef nicht grundsätzlich immer recht hat, sondern sich auch eingestehen kann, wenn der Mist auf ihm selbst gewachsen ist.

Wie testest du, ob du Selbstreflexion drauf hast und wie kannst du deine Fähigkeit zur Selbstreflexion stärken?

Reflektierst du oft über die Dinge, die du am Tag oder in der vergangenen Woche erlebt hast? Hinterfragst du dich dabei oft selbst? Würdigst du dabei aber auch eigene Erfolge?

Dinge wie ein Tagebuch oder das Festhalten in Textform können dabei helfen. Wichtig ist aber auch, dass du nicht zu kritisch mit dir bist oder alles durch die rosarote Brille siehst.

Es gelingt vielen Menschen nicht, in der Hektik des Alltags die nötige Ruhe zur Selbstreflexion zu finden. Flackernde Bildschirme, Smartphones und ständige Beschallung sind eine Gefahr. Selbstreflexion braucht Entschleunigung.

Egal ob Spaziergang, Fahrradtour, Yoga oder Flugzeug. Selbstreflexion gelingt dann am besten, wenn man fernab des Trubels Zeit zum Nachdenken hat. Am besten testest du selbst einmal, wie und wo dir das gut gelingt.

Einfühlungsvermögen

Wer sich in Gefühle und Gedanken anderer Menschen hineinversetzen kann, der ist in der Lage, ihre Perspektive zu verstehen, mitzufühlen und individuell auf diese Person einzugehen.

Egal ob Mitarbeiterführung oder Kundengespräch. Menschen mit Empathie wissen, was ihrem Gegenüber wichtig ist und gehen darauf ein.

Einfühlungsvermögen und Empathie bezeichnen die Fähigkeit, die Gedanken, Emotionen und Motive einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Es gehört aber auch die Bereitschaft dazu, sich darauf einzulassen, angemessen darauf zu reagieren und Reaktionen darauf zu antizipieren.

Bei Mitarbeitern bedeutet dies beispielsweise, ihre Motivation zu verstehen, und diese zu füttern. Es ist, als würdest du dich in den Körper deines Mitarbeiters „hinein beamen“, um besser nachvollziehen zu können, wie du sowohl ihm gerecht werden kannst, als auch den unternehmerischen Zielen.

Bei Kunden ist Empathie eine Schlüsselfähigkeit, um beispielsweise die richtigen Emotionen auszulösen, die zu einem Verkauf führen. Du holst den Kunden an der richtigen Stelle ab.

Wie testest du, ob du Einfühlungsvermögen hast und wie kannst du dein Einfühlungsvermögen stärken?

Wenn dir ein Freund ein persönliches Problem offenbart, fühlst du dann wirklich mit? Versuchst du, dieses Gefühl auch in dir selbst zu erspüren?

Ein starkes Einfühlungsvermögen hast du, wenn du dich auf die Gefühlswelt deines Gegenüber gänzlich einlassen kannst, dich bemühst, die Empfindungen nachzufühlen und somit eine enge Verbindung erzeugst.

Menschen mit einem ausgeprägten Egoismus sind meist nicht in der Lage, Empathie zu zeigen, da man sich sehr stark auf andere Menschen einlassen muss.

Trotzdem ist es natürlich wichtig, auch die eigenen Interessen im Blick zu haben. Eine emphatische Lebensführung zusammen mit einer starken Verbundenheit mit dir selbst, mit dem eigenen Bewusstsein und den eigenen Zielen und Wünschen, erscheinen als die sinnvollste Kombination.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

6 Antworten zu “Erfolg durch Selbstreflexion und Einfühlungsvermögen”

  1. Hi Tim,
    du hast es hier genau auf den Punkt gebracht!

    Aus meiner Erfahrung ist es aber leider so, dass solche Menschen die so etwas beherrschen, sehr rar sind. Ich verbinde das mit dem Gesellschaftlichen Wandel. Es wird einem immer mehr vereinfacht Dinge neu zu beschaffen anstelle von bestehende wieder zu Reparieren. Das hat Einfluss auf das Verhalten der Menschen und somit auch wie wir mit einander umgehen. So gesehen wird dann auch eine Beziehung wie ein „Ding“ behandelt und somit als einfacher zu ersetzen als zu reparieren empfunden. In dem Fall braucht man sich auch nicht in jemanden hineinversetzen oder seine Gefühle zu verstehen da ja der nächst bessere den anderen ersetzt.

    Gruß
    Andreas

    • Tim Chimoy

      Hi Andreas, deine Theorie klingt schlüssig. Vielleicht passt „Emotionale Wegwerfgesellschaft“. Man lässt sich auf nichts mehr wirklich ein, das ist auch mein Empfinden – merke durchaus auch hin und wieder an mir selbst, aber da hat man ja zum Glück die besten Möglichkeiten, gegen zu wirken 🙂 Danke für deinen Kommentar

  2. Hallo Tim,

    Ein toller Beitrag! Selbstreflexion und Empathie sind Fähigkeiten – auch für Nichtunternehmer – die gefühlt immer seltener werden, aber dringend in unserer Gesellschaft gebraucht werden! Sie gehören, genau wie andere „soft skills“, meiner Meinung nach auch in die – leider viel zu veraltetem – Lehrpläne unserer Schulen. Nicht zuletzt, um nach dem Abschluss junge Menschen in das (Berufs-)Leben zu entlassen, die mehr können, als nur auswendig gelernten Stoff wiederzugeben…

    Grüße,
    Nina

  3. Hi Tim,

    da hatte ich zu früh auf senden geklickt und allzuviele Fehler waren noch drin!
    Zweiter Versuch!

    So eine Nachricht kann ja im Grunde nur aus einem buddhistischen Land, wie Thailand eines ist, kommen… – das ist natürlich Quatsch – diese Tugenden werden überall gebraucht und sind überall wichtig.

    Nirgendwo sonst wie in der Lehre Buddhas – mit seiner Anleitung zur meditativen Innenschau, die wohl die subtilste Form der Selbstreflexion ist – und dem aus ihrer Anwendung resultierenden Mitgefühl, das dem Einfühlungsvermögen entspricht, werden diese Aspekte in einer solchen Klarheit und Einfachheit vermittelt.

    Übrigens das wunderbare Video zu Empathie aus Deinem Newsletter hat mir sehr viel Freude bereitet und ich habe es vielen Freunden weitergeschickt. Das ist Empathy at it’s BEST. 🙂

    Ich habe aufgelacht, als ich den Satz las, dass es in manchen Fällen Sinn macht meinen Schwächen zu trainieren… welche Fälle sind das denn? Welche Schwäche trainiere ich und bringe mich damit in Schwächliche Hochform mit Gewinn? – Okay, ich weiss ja was Du meinst… mein Spitzfinderich ist heute mal wieder besonders aktiv.

    Selbstbilder sind ein wichtiger Punkt. Ich laufe mein Leben lang mit zahlreichen Selbstbildern wie eine Littfass-Säule herum und wende je nach Situation und Begegnung eine andere Plakatierung meinen Gegenübern zu. Irgendwann ist mein wirkliches Wesen verborgen wie unter einer Schicht aus Leim-Papier-Kruste an Selbstbildern. – Auch da ist übrigens die „Universal-Methode“ vom schon oben erwähnten Buddha geeignet, um diese Schichten wieder abzutragen. Das geht auf erstaunliche Weise wesentlich schneller als ich vermuten mag.

    Wir sprechen so häufig von Mitgefühl, doch meistens stecken wir schlimmstenfalls im Mitleid oder wenigstens im Verstand fest. Doch wie selten sind wir bereit uns einen kleinen Teil des Gefühls des Gegenübers einzuverleiben und in uns selbst schwingen zu lassen, um wirklich in Resonanz zu sein und damit im selben Augenblick heilsam für unser Gegenüber zu wirken.

    Ehrlich? – Ja, Ehrlichkeit ist das Wichtigste und Wesentlichste.
    Gnadenlose Ehrlichkeit mit mir selbst.

    Gar nicht so häufig, oder? – Ich schreibe von mir!

    Wie wahr, dieses Mitgefühl fängt bei mir selbst an, denn wenn ich selbst nur im Kopf hänge und bevor ein Gefühl überhaupt meine Wahrnehmung erreicht hat, schon benannt, beschrieben und erklärt habe, dann ist das kein Mitgefühl mit mir selbst, sondern sind es allenfalls Mit-gedanken oder eher noch Drüber-gedanken, die mich aus dem Jetzt aus dem Moment und von mir selbst wegführen.

    Danke für die Anregungen, Tim!

    Herzlicher Gruß aus Köln
    Tobias

  4. Hallo Tim,

    ich mache alle 3 Monate eine Selbstreflektion. Das habe ich aus einem Coaching. Dort sind ca. 110 Fragen. Diese gehe ich alle durch und schaue mir an, wie die letzten drei Monate gelaufen sind und was ich verbessern kann.
    Das tut oft weh, wenn man wirklich ehrlich zu sich ist. Aber genau das bringt einen weiter 🙂

    Liebe Grüße,
    Dominik

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