Wenn man sich aktuell in Deutschland umhört, bekommt man den Eindruck, dass man sich in einem Land befindet, dass kurz vor dem totalen Kollaps steht und jeder versucht, seinen Arsch zu retten. Die Angst geht um.

Angst vor (Achtung, schreckliches Wort) Überfremdung. Angst davor, das jemand einem etwas wegnimmt.

Auch wenn es nicht ganz mein Thema ist, fühle ich mich als Blogger verpflichtet, hier klar Meinung zu bekennen und an dieser Stelle auch ein politisches Statement abzugeben. Wer eine Stimme hat, sollte sie nutzen. Einige der schlimmsten Phrasen, die ich dieser Tage in Deutschland immer wieder höre, fangen immer ungefähr so an:

Ich will ja nicht rassistisch klingen, aber…

Ich will nicht, dass meine hart erarbeiteten Euros…

Die Kriegsflüchtlinge können ja kommen, aber…

Mir begegnen diese Phrasen auf dem Geburtstag meiner Großmutter im Altenheim, mir begegnen diese Phrasen an der Supermarktkasse und vor allem auch immer wieder im Netz und leider sogar bei Menschen, die mir sonst sehr sympathisch sind.

Für mich zeigen diese Kommentare vor allem, dass die Menschen in Deutschland tiefe Verlustängste plagen. Sie sorgen sich, dass Ihnen jemand etwas wegnimmt. Dass nicht genug für sie übrig bleibt. Dass jemand Ihnen die Salami vom Brot klaut, während sie sich mal kurz an der Wampe kratzen.

Die deutsche Kultur ist, zumindest im internationalen Vergleich, keine Kultur des Teilens, sondern vielmehr des Neids. Ich bin kein Freund von Pauschalierungen, aber ich bin viel in der Welt herumgekommen, und dass wir Deutsche nicht so gerne ein Stück vom Kuchen abgeben und einen extremen Individualismus pflegen, das ist einfach ein Fakt.

Gleichzeitig ist aber auch Fakt das wir hier im Schlaraffenland leben. Wir leben in einem Land, in dem der Honig in den Bächen fliesst und uns das Grillhähnchen in den Mund fliegt und regen uns über all jene auf, denen zuhause höchstens Staub in den Mund fliegt.

Da ist es wieder. Das alte Phänomen: Je reicher man ist, desto geiziger wird man. Nicht andersherum.

Ich sitze an meinem Küchenfenster und höre unten ein kleines Mädchen schreien: „Weg da. Das ist ein Radweg.“ Früh anerzogener Regel-Gehorsam.  Wenn die alle herkommen, dann laufen die nachher alle auf unseren Fahradwegen. So viel kann man ja gar nicht klingeln.

In der Debatte um Einwanderung wird immer wieder unterschieden zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Kriegsflüchtlingen. Jaaaa, die einen dürfen ja kommen, weil ihre Häuser zerbombt wurden. Aber die anderen wollen ja nur ein besseres Leben und können zuhause bleiben. Ein besseres Leben? Was bilden die sich eigentlich ein!

Moment mal! Bitte was? Wir wollen ihnen das Recht auf ein besseres Leben absprechen? Wer sind wir eigentlich, uns das herauszunehmen?

Fest steht: Unser Kuchen ist groß genug, um noch deutlich mehr Stücke abzuschneiden. Wir müssen nur anders mit den Menschen umgehen, die herkommen. Sie arbeiten lassen. Ihnen eine Perspektive bieten. Menschlichkeit zeigen. Auf unser Herz hören.

Als Deutsche besitzen wir im Übrigen auch die größtmögliche Reisefreiheit. Einen Großteil der Länder dieses Erdballes können wir Visafrei bereisen. Somit können wir unser persönliches Schlaraffenland auch noch über unsere eigenen Grenzen auf den ganzen Erdball erweitern. Wir zeigen in den ärmsten Ländern dieser Erde unseren Reichtum zur Schau. Wir laufen mit Rimowa-Koffern durch die Elendsviertel der Welt und wundern uns, dass wir wie der Rattenfänger von Hameln die Flüchtlinge zu uns locken.

Nur, dass man auf einem Rimowa-Koffer nicht flöten kann.

Durch die Welt zu reisen und gut zu leben, das will ich gar nicht kritisieren. Mache ich ja selber auch. Wir haben einen Vorteil, und es ist okay diesen auch auszunutzen. Aber es verpflichtet zugleich auch unbedingt dazu, zu hinterfragen, warum wir dieses Leben anderen verwähren dürfen. Mit welchem verdammten Recht?

Digitale Nomaden, dass ist ein Phänomen unserer reichen westlichen Welt. Die meisten Menschen können Grenzen längst nicht so leicht überwinden, wie wir dies können. Dessen sollten wir uns immer und jederzeit bewusst sein.

Die Menschen in den Ländern, die wir gerne besuchen, bekommen mit, in welchem Wohlstandsparadies wir leben. Wer bitte kann diesen Menschen dann absprechen, uns hinterher zu kommen?

„Wie, wenn du deinen Job verlierst, bekommst du trotzdem Geld?“ ist im fernen Ausland eine übliche Reaktion, wenn die Diskussion auf unser Sozialsystem eingeht.

Querdenker Kevin Kelly hat in einem Podcast-Interview mit Tim Ferris Folgendes gesagt: „I think and hope that nationalism will eventually be seen as equivalent to something like racism.“ (Tim Ferris Show, 23. Minute)

Übersetzt: Ich denke (und hoffe), dass Nationalismus in der Zukunft ähnlich bewertet wird wie Rassismus.

Für viele Menschen sicherlich eine gewagte These, da sie sehr stolz sind auf ihren Heimatstaat. Ein antrainierter Stolz, für den es nach meiner Meinung keine rationale Grundlage gibt. Ich hoffe, dass Kevin Kelly recht behält.

Es wäre zu wünschen, dass die Menschheit irgendwann einmal zu dem Punkt kommt, dass sie niemanden mehr aufgrund seines Geburtstortes diskriminiert. Wir bemühen uns so sehr heute, nicht mehr aufgrund von Hautfarbe zu diskriminieren, aber die Herkunft entscheidet darüber, ob unser Leben in Wohlstand oder Armut verläuft.

Getrieben von Verlustängsten reden wir uns ein, etwas Besseres zu sein. Ich hoffe, wir werden diese Ängste bald überwinden.

Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim beschäftigt sich seit 2012 mit den Themen ortsunabhängiges Arbeiten und digitales Unternehmertum. Er verdient sein Geld als Architekt, Buchautor und Berater für Neues Arbeiten und digitale Transformation. Zudem ist er Gründer des Citizen Circle. Auch wenn Tim viel und gern unterwegs ist: Sein Zuhause ist zur Zeit die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands.

18 Antworten zu “Die wollen alle an mein Geld!”

  1. Hi Tim,
    auch wenn es nicht ganz dein Thema trifft, finde ich es super, dass du auch über solche Themen schreibst!
    Mir ist es auch schon bei Menschen aufgefallen, die ich eigentlich sonst sehr sympathisch finde und da hat es mich am meisten erstaunt.
    Ich denke es hat aber auch damit zu tun, dass viele einfach nur sehr einseitig bzw. zu wenig informiert sind. Viele laufen was dieses Thema angeht mit Scheuklappen durch die Welt und wollen sich nicht öffnen. Wenn sie dann einzelne unsinnige Aussagen aufnehmen und nichts kritisch hinterfragt wird, ist die Meinung schnell gebildet.
    Vielen Dank dir für den Artikel! Wenn ich noch bei Facebook wäre, hätte ich ihn am liebsten gleich mehrmals geteilt 😉

  2. Hi Tim,

    vielen, vielen Dank für einen großartigen Artikel! Ich bin zwar noch lange nicht soweit herumgekommen wie du, aber kann trotzdem jeden einzelnen Satz ganz fett unterstreichen.

    Dieses Land schwimmt in Geld, das liebste Hobby der Menschen ist shoppen, aber der Rest der Welt soll bitteschön nichts davon abhalten wollen, obwohl wir unseren Reichtum nur dadurch aufbauen konnten, dass wir die anderen Länder systematisch ausbeuten und mit unseren Waffen dafür sorgen, dass nirgends Ruhe einkehrt. Und selbstgerecht sitzt mein Nachbar (verreist fünf – bis zehnmal pro Jahr als Rentner) mit seinem Bierbauch auf dem Balkon und plärrt etwas von den „Scheiß Griechen“, die ihm sein Geld wegnehmen. Da muss ich schon viel OM machen, damit ich nicht hochgehe und ihn mal ordentlich durchschüttle …

    Aber es gibt zum Glück auch sehr viele positive Ansätze, Hilfsangebote und Menschen, deren soziales Gewissen noch lange nicht hinter ihrem Kontoauszug verschwunden ist. Das macht Mut.

    Liebe Grüße
    Mischa

  3. Hey Tim,
    da sitze ich nun und weiß nicht, was ich schreiben soll.
    Du drückst genau das aus, was mir die ganzen letzten Tage durch den Kopf geht. Ich schiebe es jedoch vor mir her, einen Artikel zu schreiben, weil ich mich nicht auf politisches Parkett begeben möchte. Dabei geht es im Grunde nicht um Politik, sondern um Menschlichkeit.

    Ich frage mich immer wieder:
    Wie kann jemanden das Schicksal dieser Menschen so kalt lassen?
    Was bitte läuft in Deutschland gerade so gewaltig schief?

    Wenn es mir bisher auch noch nicht gelungen ist, selber etwas dazu zu schreiben, so teile ich zumindest gerne deinen Beitrag – Danke dafür!
    Liebe Grüße
    Nima

  4. Mischa Miltenberger

    Hi Tim,

    vielen, vielen Dank für einen großartigen Artikel! Ich bin zwar noch lange nicht soweit herumgekommen wie du, aber kann trotzdem jeden einzelnen Satz ganz fett unterstreichen.

    Dieses Land schwimmt in Geld, das liebste Hobby der Menschen ist shoppen, aber der Rest der Welt soll bitteschön nichts davon abhalten wollen, obwohl wir unseren Reichtum nur dadurch aufbauen konnten, dass wir die anderen Länder systematisch ausbeuten und mit unseren Waffen dafür sorgen, dass nirgends Ruhe einkehrt. Und selbstgerecht sitzt mein Nachbar (verreist fünf – bis zehnmal pro Jahr als Rentner) mit seinem Bierbauch auf dem Balkon und plärrt etwas von den „Scheiß Griechen“, die ihm sein Geld wegnehmen. Da muss ich schon viel OM machen, damit ich nicht hochgehe und ihn mal ordentlich durchschüttle …

    Aber es gibt zum Glück auch sehr viele positive Ansätze, Hilfsangebote und Menschen, deren soziales Gewissen noch lange nicht hinter ihrem Kontoauszug verschwunden ist. Das macht Mut.

    Liebe Grüße
    Mischa

    • Tim Chimoy

      Hey Mischa. Dass OM da nicht mehr viel hilft, kann ich nachvollziehen. Aber du hast vollkommen recht. Konzentrieren wir uns auf die positiven Ansätze und vertreten gegenüber den Angstgetriebenen klar unsere Meinung.

  5. Hi Tim,

    danke für diesen tollen Beitrag! Mich kotzt es offen gesagt an, dass wir uns immer als Opfer sehen. Dabei haben wir keine Ahnung, wie diese Menschen sich fühlen müssen. Menschen, die schreckliche Dinge gesehen haben, die von ihren Familien getrennt wurden, Menschen, die nichts mehr haben außer ihr Leben. Diese Menschen kommen in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Kultur ihnen fremd ist. Und dann gibt es „Experten“, die davor Angst haben und neidisch sind. Ich frag mich: auf was?

    Am schlimmsten finde ich dieses Halbwissen und die Stammtischparolen, die leider auch von Menschen kommen, von denen man nie gedacht hätte, dass ihr Horizont so beschränkt ist.

    Wir sind alle Menschen. Einfach Menschen. Nicht Wirtschaftsflüchtling, nicht Kriegsflüchtling, nicht Ausländer und nicht Einheimischer.

    Viele Grüße
    Conny

  6. Danke für den Artikel!

    Interessant ist aber, dass ich endlich mal von jemand anderem mitbekomme, der Nationalstolz genau so dämlich findet wie ich. Ich wurde schon als 16-Jähriger von meinen Freunden wie der Teufel angeschaut als ich diese Meinung bekundet habe auf die verständnislose Frage warum mir die Fußball-WM egal ist 😀

    Leider muss ich diese Frage alle 4 Jahre wieder auf’s neue beantworten.. Selbst zu Leuten, die meine Antwort inzwischen kennen sollten..

  7. Hallo Tim,
    natürlich ist es so, dass in Deutschland das Sozialsystem sehr gut ist – das liegt aber auch schon daran, dass die Menschen, die arbeiten, in dieses Sozialsystem einzahlen. Was ich erlebe ist, dass Menschen, die vorher sehr weltoffen waren, und zur Zeit ihren eigenen Job verlieren, dies Weltoffenheit aus Angst um ihre Existenz total verlieren. Es gibt genug Menschen, die sich nicht selbständig machen wollen und auch kein digitales Leben haben möchten. Manche haben einfach nur Angst davor. Oft ist es auch so, dass es total normal ist, dafür zu sein solange die Auffangstation nicht in der direkten Nachbarschaft ist. Ich persönlich finde es schwierig, dass sie wie einkarnersiert leben. Wahrscheinlich wäre es viel besser, sie würden besser integriert werden, damit sie eine Chance bekommen. Gaby

    • Tim Chimoy

      Danke, Flo. Wollen wir hoffen, dass Kevin Kelly auf lange Sicht eine richtige Prognose abgegeben hat 🙂 Grenzen bröckeln ja ohnehin schon an vielen Stellen, zumindest auf Wirtschaftsebene, rechtlicher Ebene etc etc..nur eben nicht in den Köpfen der Menschen ..

  8. Herzlichen Dank für deine offenen und tollen Worte. Die unterstütze ich voll und ganz, schön hast du die auf deinem Blog veröffentlicht. Ich habe die richtigen Worte zu diesem Thema noch nicht gefunden, denn mein Unverständnis für die ganze Angstmacherei, den Neid, den Kleinmut und die Missgunst ist so gross, dass ich noch nicht weiss, wie ich das am besten mitteilen soll. Aber ich arbeite daran.

    Ich schliesse mich deinem Wunsch an, dass diese Ängste bald einmal überwunden werden.

  9. Ich verstehe Menschen, die vor dem Krieg oder dem in den Krieg ziehen flüchten. Zu allen Zeiten gab es Flüchtlinge. Als ich 2008 auf einer Sprachschule in Malta war, erzählte man mir dort schon von den Problemen mit Flüchtlingen aus Afrika. Die Frage wird sein, wieviele der Flüchtlinge bleiben in Deutschland, wie werden sie integriert, wie wirkt sich der Bevölkerungsanstieg auf den Arbeitsmarkt und den Wohnungsmarkt aus. Verschärft sich womöglich die Situation im Niedriglohnsektor, weil viele Flüchtlinge bereit sind diese Arbeit zu machen? Ich glaube das ist die Angst der Deutschen.

  10. Danke dir, Tim, für diese ehrlichen Worte. Du sprichst mir da aus der Seele. Seit Längerem bin ich schon dabei, meine Gedanken dazu zu ordnen bzw zu äußern – den richtigen Dreh dafür habe ich aber noch nicht gefunden, weshalb deine Worte da wirklich eine gute Anregung sind. Ich würde mir wünschen, dass jeder deinen Artikel hier liest und einmal über diese – vorwiegend deutsche- Mentalität, die du hier ansprichst, nachdenkt. Wir maßen uns an, über andere zu urteilen und darüber bestimmen zu wollen, ob sie „ein besseres Leben“ bekommen oder nicht. Jeder Mensch hat das Recht darauf- wenn auch jeder eine andere Definition dafür hat.

  11. Hallo Tim,

    toll das du dieses Thema aufgreifst. Was die Damen und Herren mit dieser Angsteinstellung nicht begreifen, ist, das wir als globalisierte Welt massiv davon profitieren das unsere Produkte (noch) Weltklasseniveau darstellen.
    Das ist die Basis unseren unglaublichen Wohlstandes.

    Unsere Generation kann die Probleme, welche auf unser Sozialsystem
    zurollen garnicht ohne Hilfe von außen, also Kriegs- und insbesondere gut ausgebildete Wirtschaftsflüchtlinge stemmen.
    Der heute kurz vor der Pension stehende Babyboomer und Sozialempfänger sollte Dankbar sein, das Menschen freiwillig hier her kommen, welche hier arbeiten wollen und bereit sind Steuern zu zahlen.
    Wie du es kennst ist es als Ingenieur normal international zu arbeiten.
    Gautam aus Indien, Hasan aus Syrien, Chan aus China arbeiten zusammen
    mit mir daran, unsere „deutschen“ Weltklassefahrzeuge international auszuliefern.

    Und zahlen für Opa Hans, Oma Monika die Rente sowie für unsere lautstarken
    brandstiftenten Hängemattenbewohner der hiesigen Sozialnetze (Nicht FB, Twitter, etc. ;-)) Kevin, Ronnie und Chantal das Harz 4 und weiter Sozialleistungen.
    Warum sitzen Sie nicht neben mir? Weil Sie die unzähligen Chancen
    nicht genutzt haben in sich persönlich zu investieren und sich den Arsch in der Schule / Ausbildung, geschweige den im Studium (wohlgemerkt alles kostenlos und vom Staat finanziert) aufzureißen.
    Die Erwartungshaltung dass die Arbeit zu ihnen ins Dorf vor Ort getragen wird, ist so realitätsfern und zeugt von wenig Flexibiltät und einer naiven Einstellung.

    Warum schaffen es ein Inder, Chinese und andere Nationen hier her zu kommen, um diese Chancen zu nutzen?
    Sie lassen, Kultur, Freunde und die Familie hinter sich um diese Chance zu ergreifen.
    Es ist eine Win-Win-Situation und kaum einer möchte das oder kann das vielleicht begreifen.
    Das ist wirklich traurig.

    • Tim Chimoy

      Gut gesagt, Benjamin. Selbst emotionslos betrachtet: Ich sehe auch ganz klar das die Vorteile überwiegen. Fast jeder Einwanderer der uns „kostet“ zahlt zudem am Ende durch die Steuern alles doppelt und dreifach zurück.

  12. Hallo Tim,

    die Situation spitzt sich zu, das spüre ich auch. Umso mehr die Extreme zutage treten, desto leichter wird es auch, Position zu beziehen: So wie Du mit Deinem Blogartikel. So wie auch diejenigen, die glauben, nicht genug zum Teilen zu haben.

    Und dann kommt das Leben mit seinem Einfallsreichtum und sorgt für Ausgleich. In meiner Arbeit für Menschen mit Demenz habe ich das so oft erlebt: Wer nie teilen wollte, muss plötzlich teilen. Wer immer genug Geld hatte, beantragt Sozialleistungen. Wer andere herum kommandiert hat, wird jetzt selbst herum kommandiert. Das trifft Menschen mit Demenz an ihren sensibelsten Stellen, weil der Verstand sich ja langsam verabschiedet.

    Egal wie schlimm es also auch um den Zustand unserer Gesellschaft bestellt sein mag, wenn ich den Blick hebe, dann ist Licht am Horizont zu sehen – wenn es wohl auch noch ein Stück Weg dahin zu gehen ist.

    Herzliche Grüße,
    Daniela

  13. Hi Tim,
    sehr cool geschrieben & gut auf den Punkt gebracht.
    Vielleicht sollte ich Deinen Text ausdrucken und dem ein oder anderen in die Hand drücken. Z.B. bei der nächsten Verwandschaftsrunde, bei der eigentlich wirklich sympatische und herzliche Menschen immer wieder echt erschreckend stumpfsinnige Stammtisch-Parolen von sich geben.
    Viele Grüße,
    Tom

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