„Das Leben ist der beste Lehrer.“ Dieser alte Spruch ist nicht ganz unwahr, jedoch kommt es wohl darauf an, wie man selbiges lebt. Wer viel reist oder die Chance hatte, im Ausland gelebt zu haben, der sieht die Welt und seine Menschen meist mit anderen Augen. Es gibt zahlreiche Dinge, die man durch das Reisen lernen kann. Eine Zusammenstellung dieser Dinge könnte wie folgt aussehen:

#1 Der Mensch ist grundsätzlich gut

Viele Menschen haben Angst vor der Welt da draussen, jedoch besteht die Mehrzahl der Menschheit nicht aus Dieben, Mördern und Vergewaltigern. Zudem muss man bedenken, dass auch die Diebe unter ihnen nur Ihre Familie ernähren möchten.

Menschen in allen Ländern der Welt denken recht ähnlich, so wie Du und Ich und wollen am Ende des Tages auch nur bei ihren Freunden und ihrer Familie sein und zufrieden ins Bett gehen können. Es gibt keine Rasse, Religion oder Nationalität, bei der dies anders ist. Die Art, wie die Menschen den Alltag gestalten, mag sich unterscheiden. Das Ziel jedoch bleibt bei allen Menschen das gleiche: Zufriedenheit, geliebt werden, Selbstverwirklichung.

#2 Die Welt ist langweilig, überall ist jemand zuhause

Wenn nicht gerade etwas furchtbares dort passiert ist, werden viele Flecken der Erde in den Medien nahezu nie erwähnt. Andere Flecken der Erde kommen ständig in den Nachrichten vor. Die meisten Orte auf der Welt sind, genau wie die Nachbarschaft in der Du lebst, relativ langweilige Orte. Für Fremde können sie unglaublich spannend sein, aber für die Menschen, die dort leben und für die jeder Tag wie der vorherige Tag ist, fühlt es sich genau so an wie für Dich zuhause. Vergiss das nicht, wenn Du Dir Ihre Heimat anschaust. Egal durch welche Stadt Du läufst, Du läufst durch das Wohnzimmer von fremden Leuten! Zeige Respekt.

#3 Das Fernsehen und andere Medien lügen

Wer sein Wissen über andere Flecken der Erde aus den Nachrichten bezieht, der hat ein extrem verzerrtes Bild der Realität. Die Medien wollen eine Story immer vereinfachen und über-dramatisieren, um sie interessanter für den Zuseher oder Leser zu gestalten. Ich persönlich war in Bangkok, als dort in den Medien über strake Ausschreitungen berichtet wurde. Gemerkt habe ich davon in der Stadt nichts. Freunde von mir hatten während des islamischen Frühlings einen tollen Urlaub in Ägypten. Klar, Vorsicht ist besser als Nachsicht. Aber zuviel Vertrauen in die Medien ist auch äusserst nachsichtig!

#4 Man braucht nicht viele Dinge, um glücklich zu sein

Schon Robert Browning und Ludwig Mies van der Rohe waren sich einig: Less is more (weniger ist mehr). Mehr zu besitzen, macht einen langfristig nicht glücklicher. Vielmehr kann Besitztum auch sehr belastend sein. Die meisten Menschen kommen spielend mit nur 3-5% ihres gesamten Besitzstandes zurecht. Wenn man viel reist, dann muss man Dinge die man kauft, mit sich herumtragen. Sie machen einen umbeweglich, träge und verwundbarer. Wer weniger besitzt, kauft (wenn er einmal etwas Neues benötigt) meist auch Dinge mit höherer Qualität. Das ist gerade beim Reisen eine gute Strategie.

#5 Jeder ist stolz auf seine Heimat, oder wäre es zumindest gerne

Wenn man in einem anderen Land Einheimische kennenlernt, dann berichten die meisten dieser Menschen stolz über ihre Stadt, ihr Land oder ihre Heimat. Stolz und ein gewisser Patriotismus scheinen universelle Werte zu sein. Das kann sich schon an kleinen Dingen zeigen: Wenn in Hanoi ein lokal Ansässiger stolz erläutert, wie man am sichersten über die mit Motorrollern überfüllte Strasse kommt, so ist dies nicht nur Hilfsbereitschaft, sondern auch eine Demonstration von gesundem Patriotismus. Solange Patriotismus nicht zur Abwertung oder Herabsetzung Anderer führt, ist das ja auch völlig okay. Man sollte immer bedenken, dass jeder das Recht hat, auf seine Heimat stolz zu sein. Du, genauso wie der Nordkoreaner, dessen Regierung sein Volk verhungern lässt. Stolz auf die Heimat zu sein, ist nicht gleichzusetzen mit Zustimmung gegenüber den Regierenden und Ihrem Tun. Heimatstolz kann sich auf viele Dinge beziehen, zum Beispiel auf eine wunderschöne Landschaft oder die Offenherzigkeit der Menschen.

#6 Die meisten Menschen haben das Bedürfnis zu Reisen

Es ist vielleicht nicht überraschend, aber die meisten Menschen sind fasziniert, wenn man Ihnen von längeren Reisen (oder sogar Weltreisen) berichtet. Das Bedürfnis zu reisen, steckt in uns Allen. Es ist nur bei manchen Menschen stärker ausgeprägt als bei anderen. Angst und Ausreden halten viele Menschen davon ab, es zu tun. Darüber hinaus haben viele Menschen Verpflichtungen, aus welchen Sie nur sehr schwer herauskommen können. Es gibt aber eine Menge Menschen, die den Wunsch in sich verspüren und es möglich machen könnten, es trotzdem aber niemals tun werden. Davon träumen tut ausnahmslos jeder Mensch hin und wieder. Wer nicht nur träumt: Herzlichen Glückwunsch, Willkommen im Club!

#7 Bemühe Dich stets, eine Sprache zu lernen

Englisch ist die universelle Sprache. In den meisten Ländern spricht ein Großteil der Bevölkerung zumindest ein gebrochenes Englisch. Wessen Muttersprache nicht Englisch ist, diese aber als Zweitsprache sicher beherrscht, der kommt mittlerweile überall auf der Welt halbwegs gut zurecht. Für einen kulturellen Austausch oder ein besseres Verständnis des Landes reicht es damit aber noch lange nicht! Englisch ist extrem hilfreich, aber sicher nicht der Schlüssel zur Kultur eines Landes. Wer einige Worte in einer Landessprache beherrscht, der erntet Respekt bei den ‚Locals‘ und sorgt oft für das eine oder andere gemeinsame Lachen. Egal wo man hingeht: Wörterbuch aufklappen und ein paar Vokabeln pauken.

#8 Wenige Menschen um sich zu haben, bedeutet nicht allein zu sein

In den entlegensten Orten sind die Menschen meist am hilfsbereitesten. Wer in der Großstadt bei Fremden anklopft, wird vermutlich mit dem Besen vertrieben. Auf dem Land ist die Wahrscheinlichkeit auf vielen Flecken der Erde recht gross, das man hineingebeten wird und zum Abendessen eingeladen wird. Ein weiteres Beispiel: Wenn man sich in touristischen Gegenden etwas Abseits der Touristenpfade bewegt, trifft man nicht nur auf freundlichere Menschen, man wird auch seltener durch „Touri-Abzocker“ übers Ohr gehauen und erlebt das Land vollkommen anders. Meine Erfahrung ist: Wer Gesellschaft und Freundlichkeit sucht, muss sich erst einmal von Menschenmassen verabschieden.

#9 Viele Menschen um sich zu haben, bedeutet nicht, nicht allein zu sein

Gleiches Prinzip, nur andersherum. Man kann in einer 10-Milionen-Metropole sein, in einer unglaublich großen Menschenmenge stehen, und sich so einsam wie nie zuvor in seinem Leben fühlen. Die pure Existenz anderer um einen herum hat nur wenig Einfluss auf das Empfinden von Einsamkeit oder Geselligkeit. Wer beginnt, die Anonymität in solch einer Menschenmenge richtig zu fühlen und zu spüren, der fühlt sich plötzlich ganz klein und ist ruck-zuck der einsamste Mensch auf dem Planeten.

#10 Lass Angst niemals Dein Leben bestimmen

Angst ist die schlimmste Bremse für die eigenen Ziele und Träume. Das trifft auch in Sachen Reisen zu. Ein Beispiel: Wenn Du im Ausland Angst verspürst ein Restaurant zu betreten, weil Du vielleicht der einzige Hellhäutige unter sonst ausschliesslich Dunkelhäutigen bist oder alle ‚dich komisch angucken‘, dann sollte genau das der Grund sein, erst recht dort hinein zu gehen. Beim dritten Mal wirst Du freundlich begrüsst und hast ein neues Stammlokal gefunden. Angst bremst oft unbegründet, in den selteneren Fällen ist sie ein begründeter Schutz. Was soll Dir schon passieren? Bekämpfe die Angst.

Ab und zu wird es Menschen plötzlich bewusst, dass sie die Welt nicht ausschliesslich so wahrnehmen müssen, sie es Ihnen beigebracht wurde. (Alan Knightley, übersetzt)


Lebe nach deinen eigenen Regeln!

Tim Chimoy
Über den Autor

Tim Chimoy

Tim lebt und arbeitet seit mehr als vier Jahren als ortsunabhängiger Unternehmer abwechselnd in Berlin, Saigon und Bangkok. Er betreibt einen Outsourcing-Service für Architekten und ist zudem Gründer des Citizen Circle. Zudem schreibt er als Autor über das ortsunabhängige Leben und Arbeiten.

7 Antworten zu “10 Dinge, die man durch das Reisen lernt”

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